Blick auf die Küstenlinie bei Everglades City in Florida

Zuletzt bearbeitet am 10/08/2026

Die Everglades: ein bedrohtes Paradies

Der Nationalpark der Everglades ist ein einzigartiger Lebensraum. Doch der enorme Siedlungsdruck und die Landwirtschaft gefährden das „Meer aus Gras“. Ein groß angelegtes Instandsetzungsprogramm soll Abhilfe schaffen.

Die Versuchung ist groß, die Everglades falsch einzuschätzen. Durch das viele Wasser, das stillzustehen scheint, wirkt das ganze Gebiet zwischen Miami, Naples, Orlando und der Golfküste wie ein Sumpf mit vielen kleinen Inseln.

Frau paddelt in einem Kajak durch die Everglades in Florida

Tatsächlich aber ist der Nationalpark Teil ein komplexen Ökosystems, das auf das Klima Südfloridas und seine Topographie zurückgeht. Vor allem die Südhälfte des Staates ist mit bis zu 1500 Millimeter Regen pro Quadratmeter nicht nur sehr niederschlagsreich, sondern auch ausgesprochen flach.

Durch diese Kombination ist in Zentralflorida mit dem Lake Okeechobee über die Jahrtausende der zweitgrößte Binnensee der USA entstanden. Mit fast 1900 Quadratkilometern Oberfläche ist er doppelt so groß wie Berlin.

Der See ist durchschnittlich nur drei Meter tief – und er verfügt über keinen nennenswerten Abfluss. Genau hierdurch sind die Everglades entstanden, denn die Wassermassen bewegen sich mit der kaum wahrnehmbaren Geschwindigkeit von nur einem Meter pro Stunde in Richtung Süden.

60 Kilometer breiter Fluss 

Streng genommen sind die Everglades ein bis zu 60 Kilometer breiter Fluss, der je nach Ort und Jahreszeit zwischen zehn und 25 Zentimeter tief ist. Aus dem Wasser ragen unendlich viele Hammocks hervor, kleine Inseln. Lediglich im weniger niederschlagsreichen Winter trocknen einige Landstriche. Sonst präsentieren sich die Everglades als das, was die Native Americans als Pa-Hay-Okee bezeichnen. Ein Meer aus Gras.

Ein Fischadler oder auf Englisch Osprey in einem Baumwipfel in den Everglades

Das klingt fruchtbar und wild zugleich. Und tatsächlich ist der Nationalpark ein Lebensraum, der einer großen Vielzahl gefährdeter Arten einen Rückzugsort bietet. Die Zahl der Säugetierarten beläuft sich auf über 40, hinzu kommen mehr als 50 verschiedene Reptilienarten, 350 Vögel- und 300 Fischarten. Die Vielfalt der Pflanzenwelt ist mit mehr als 2000 Spezies ebenfalls enorm. Etwa 50 von ihnen gedeihen ausschließlich in den Everglades.

Die Everglades: Schieflage in der Nahrungskette

Die bekanntesten Bewohner sind die Alligatoren, die mittlerweile wieder in jedem Süßgewässer südlich einer gedachten Linie von North Carolina bis Louisiana vorkommen können. 

Die Population ist groß und nach heutigem Stand nicht gefährdet. Das ist für das Ökosystem von großer Bedeutung ist, denn die Alligatoren sind die einzigen natürlichen Feinde des Knochenhechts („Florida Gar“). Dieser wiederum ernährt sich von den Eiern anderer Fische.

Alligatoren in den Everglades von Florida

Gäbe es zu viele von ihnen, würde das laut Park Rangern schnell für eine erhebliche Schieflage der Nahrungskette sorgen.

Häufig gesehene Bewohner sind auch weiße Ibisse, schwarze Kormorane, blaue Kanada-Reiher und verschiedene Geierarten. Eine Augenweide ist der sogenannte Schlangenhalsvogel, den die Amerikaner Aningha nennen.

Seinen Namen trägt er nicht zu unrecht, da er bei der Jagd auf Fische seinen Hals erstaunlich langrecken kann. Schildkröten sind gar so zahlreich, dass sie kaum für Aufsehen sorgen – außer wenn sie in Kolonne auf einem Baumstamm sitzen.

Bedrohter Florida Panther

Um viele traditionelle Bewohner der Everglades aber ist es nicht gut bestellt. Am dramatischsten ist die Lage wohl für den Florida-Panther, dessen Revier zwei weitere Schutzzonen umfasst. Diese heißen Big Cypress National Preserve und Florida Panther National Wildlife Refuge. Sein Bestand wird auf nur noch 150 bis maximal 200 Exemplare geschätzt.

Pelikane auf einer Mangroveninseln in den Ten Thousand Islands in Florida

Zunächst ist die grazile Raubkatze während der Besiedlung Floridas gnadenlos gejagt worden. Seit Jahrzehnten gefährdet zudem der Autoverkehr die Existenz der nachtaktiven Tiere. Jedes Jahr verenden rund ein Dutzend Panther bei Kollisionen mit Pkw. Verkehrsschilder, die zu umsichtigem Fahren auf den wenigen Highways mahnen, werden weithin ignoriert.

1989 starb zudem erstmalig ein Tier an einer Quecksilbervergiftung. Als Ursache für die hohe Belastung der Everglades durch Schwermetalle wurden multiple Umweltsünden ausgemacht.

Beliebte Manatees

Nicht viel besser sieht die Lage für die Manatees aus. Die Rundschwanzseekühe mit dem gutmütigen Blick und der putzigen Atemtechnik sind indes in den Everglades besser aufgehoben als andernorts, weil hier nur wenige Boote unterwegs sind.

Deren Schrauben sind die Hauptverletzungsursache der Meeressäuger. Von den letzten 5000 ihrer Art gibt es kaum welche, die keine durch Kollisionen verursachte Narben haben.

Manatee schnuppert Luft an der Wasseroberfläche

Die Lage der korpulentesten Bewohner ist dramatisch – und damit exemplarisch für den Gesamtzustand der Everglades, die seit 1947 den Status eines Nationalparks genießen. Denn so groß das Schutzgebiet auch sein mag, so vielfältig sind auch die Gefahren.

Schon lange bevor Präsident Harry Truman die Everglades unter Schutz stellen konnte, hatte in Teilen des Areals eine systematische Trockenlegung und Abzweigung des Wassers begonnen. Mit der Folge, dass das Ökosystem massiv ins Wanken geraten ist.

Everglades: Siedlungen bis an die Parkgrenze

Wer einem weiteren Negativeinfluss auf die Spur kommen möchte, muss sich bloß Satellitenaufnahmen der nördlichen Everglades ansehen. Südlich von Lake Okeechobee entfaltet sich eine riesige Agrarwirtschaftsfläche von rund 40 mal 100 Kilometern. Die hier eingesetzten Pestizide und Chemikalien werden mit dem Wasser in Richtung Everglades gespült.

Graureiher auf der Suche nach Beute in Floridas Everglades

Die Zivilisation rückt dem Park derweil von anderer Seite regelrecht auf die Pelle. Der Bevölkerungsdruck im mittlerweile rund sechs Millionen Einwohner zählenden Großraum Miami/Fort Lauderdale ist so groß, dass die vornehmlich aus großzügigen Privathäusern bestehenden Siedlungen fast nahtlos in den Park übergehen. Der Anblick entsprechender Aufnahmen aus der Vogelperspektive ist geradezu gespenstisch.

An der Westküste ist der Raumbedarf nicht minder groß. Auch hier gilt: Jeder bewohnbare Quadratmeter wird bebaut. Am drastischsten ist das auf Marco Island zu sehen, wo die Bettenburgen fast bis in die Mangrovenwälder hinein gebaut wurden.

Besucheransturm im Nationalpark

Nüchtern betrachtet ist der Tourismus auch nicht gerade förderlich. Zwar ist der Nationalpark nur sporadisch zugänglich. In der Saison aber sind die Parkplätze der Portale zuweilen so überlastet, dass die Naturfreunde ihre Wagen an den Highways parken müssen. Mehr als zwei Millionen Besucher wollen die Schönheit der Everglades Jahr für Jahr erfahren – und da sind nicht jene mitgezählt, die sich lediglich bis zum Tamiami-Highway vorwagen.

Manatees an der Wasseroberfläche im State Wakulla Springs in Florida

Als wäre all das nicht genug, sehen sich die heimischen Tiere neuerdings durch eingeschleppte Arten bedrängt, die keine natürlichen Feinde haben. So ist im Park eine regelrechte Pythonplage entstanden. Die Würgeschlangen werden in mühsamer Arbeit von Park Rangern gejagt.

Rettung durch Renaturierung

Dies alles bedeutet nicht, dass es in den USA keine Sensibilität für die bedrohliche Lage gäbe – schließlich fungiert das „Meer aus Gras“ auch als Barriere, die vor Hurrikans schützt. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurde 2000 ein Masterplan verabschiedet, der Comprehensive Everglades Restauration Plan (CERP).

Zwei weiße Ibisse stapfen in den Everglades umher

Das wesentliche Ziel liegt darin, das Wasser so weit wie möglich wieder in seine natürlichen Bahnen zu lenken. Nur wenn die Entnahme oder der wirkungslose Abfluss in die Meere gestoppt wird, ist das schwer angeschlagene Ökosystem zu retten.

Radikaler Naturschutz

Der Plan ist auf eine Dauer von zunächst 30 Jahren und ein Budget von knapp acht Milliarden Dollar ausgelegt. Vor allem die außerhalb der Parkgrenzen erforderlichen Renaturierungsmaßnahmen sind immer wieder Gegenstand politischer Streitereien. Die Interessen in Südflorida sind eben vielfältig – und die Ziele der verschiedenen Gruppen laufen diametral auseinander. Die einen stehen für radikalen Naturschutz, die anderen für deren maximale Ausbeutung.

Kolonie weißer Pelikane in den Ten Thousand Islands in Südflorida

Schon 2007 hat der Journalist Michael Grunwald in seinem Buch „The Swamp“ vor den Folgen einer irreparablen Zerstörung gewarnt. Dort hat er auch die Unterhaltung zweier Golfer erwähnt, die sinngemäß folgenden Inhalt hatte: „Die Natur“, sagte der eine „wird überbewertet.“ „Ja“, antwortete der andere, „aber wir werden sie vermissen“.

Viel besser könnte das Problem nicht auf den Punkt gebracht werden. Experten sind sich darüber einig, dass die Entwicklung der Everglades von richtungsweisender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit Floridas sein wird.

Sind Floridas Everglades gefährdet? 

Nach allgemeiner Einschätzung ist das sensible Biotop der Everglades hochgradig gefährdet. Der Lebensraum steht in vielfacher Hinsicht unter Druck. Vor allem die Landwirtschaft und die Bebauung der Grenzen der Everglades beeinträchtigen den Park sehr. 

Was kostet der Eintritt in den Everglades National Park? 

Die Everglades gehören zu den elf meistbesuchten Nationalparks der USA. Das bedeutet, dass Besucher, die weder amerikanischen Pass noch eine Green Card besitzten, zusätzlich zum Eintrittspreis von 35 USD einen Zuschlag in Höhe von 100 USD bezahlen müssen. Weitere Informationen zu diesem Thema findest du hier

Kann ich die Everglades auch außerhalb des National Parks erleben? 

Nur ein kleiner Teil der Everglades gehört zum Nationalpark. Du kannst die Landschaft auch andernorts erleben, ohne dafür Eintritt zu zahlen. Mir persönlich gefällt es bei den 10 000 Islands am besten. 

Kann ich in den Everglades mit dem Airboat fahren? 

Die Airboats sind innerhalb der Grenzen des Nationalparks nicht erlaubt. Wenn du mit den lärmenden Booten fahren möchtest, geht das nur außerhalb des Parks. Für das Naturerlebnis spielt das kaum eine Rolle. 

Du solltest nur wissen, dass die Tierwelt unter den Booten leidet. 

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