Vergnügungspark bei alten Getreidespeichern in Buffalo, New York

Zuletzt bearbeitet am 10/08/2026

Buffalo: Die vergessene Metropole

Wer die Highlights von Buffalo besucht, unternimmt auch eine Zeitreise zum Ende des 19. Jahrhunderts. Damals war die Stadt auf dem besten Wege zu einer wirtschaftlichen und architektonischen Großmacht. Während der Aufstieg der am Lake Erie gelegenen Stadt um das Jahr 1950 jäh endet, sind die meisten kulturellen Denkmäler geblieben. Nun erlebt Buffalo eine Renaissance.

Oldtimer vor Getreidespeicher in Buffalo, New York

Im Jahr 1900 ist Buffalo die achtgrößte Stadt der USA. Die Industrialisierung ist in vollem Gange, weshalb sich der Hafen mit Zugang zum Lake Erie – und damit auch zu den anderen großen Seen – als enormer Standortvorteil erweist. Auch die Grenze zu Kanada ist nah.

Buffalo: Auf dem Weg zu den Niagarafällen

Und der Erie-Kanal verbindet die Stadt mit dem Hudson River und New York City. Als wäre das noch nicht genug, befindet sich mit den Niagarafällen im beginnenden Tourismuszeitalter eine Sehenswürdigkeit von Weltniveau in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Maid of the Mist in der Näher der Niagarafällen bei den Great Lakes

Als Buffalo 1901 die Pan-American Exposition ausrichtet, haben die rund acht Millionen Besucher guten Grund zu der Annahme, sich in einer Weltstadt der Zukunft aufzuhalten. Wenn nicht bereits jetzt, dann zumindest bald. Von der verkehrsgünstigen Lage und vom wachsenden Wohlstand profitiert auch die Larkin Company.

Buffalos legendäre Larkin Company

Das Unternehmen hatte als Seifenproduzent damit begonnen, Waren an Mailorder-Kunden im ganzen Land zu verschicken. Weitere Produkte folgten schnell, weshalb die Firma heute als analoger Vorläufer von Amazon gilt.

Das Darwin D. Martin House von Frank Lloyd Wright in Buffalo, New York

Die Geschäfte gehen derart gut, dass sich der aufstrebende Manager Darwin D. Martin die Dienste eines ebenso viel versprechenden Architekten sichert, als er ein neues Heim für seine Familie bauen lassen möchte. Es ist der junge Frank Lloyd Wright, den Martin 1903 mit dem Bau einer stattlichen Residenz beauftragt.

Highlights von Buffalo: Frank Lloyd Wright

Es soll einer dieser Präriehäuser werden, mit denen Wright der amerikanischen Architektur seit wenigen Jahren eine eigene Identität verleiht. Nur ein Jahr später überzeugt Martin seinen Chef John Larkin davon, Wright ebenfalls für den Bau einer neuen Unternehmenszentrale zu engagieren. 

Als Wrights erstes öffentliches Gebäude 1906 bezugsfertig ist, finden die Angestellten sich in einem lichtdurchfluteten Bau wieder, der über Heizung, Klimaanlage und eingebautes Mobiliar verfügt und der aus feuerfesten Materialien besteht. Nicht weniger revolutionär ist die räumliche Einteilung der Arbeitsplätze in Großraumbüros.

Pappaufsteller von Frank Lloyd Wright in Buffalo

Schon bald nach seiner Inbetriebnahme gilt der Bau als großer Wurf. Nachdem sich mit Louis Sullivan, Henry Hobson Richardson und Daniel Burnham bereits andere Großmeister der amerikanischen Architektur mit frühen Vorläufern des modernen Wolkenkratzers und neuartigen Verwaltungsbauten verewigt haben, scheint der Aufstieg Buffalos zu einer Stadt vom Format Chicagos oder New Yorks kaum noch aufzuhalten.

Schleichender Niedergang

Der endgültige Durchbruch zur Metropole aber bleibt aus. Zwar kann sich Buffalo bis zur Mitte des 20. Jh. in der erweiterten Spitzengruppe der wichtigsten amerikanischen Städte halten. Fast 600 000 Einwohner zählt die Stadt 1950. Ähnlich wie in Saint Louis oder Detroit nimmt das Schicksal dann aber eine Wendung. Die Industrialisierung gerät ins Stocken, wichtige Bahnlinien führen an der Stadt vorbei und der Siegeszug des Automobils schwächt den Transport über die Wasserstraßen.  

Holzkiste als Verpackung von Produkten der Larkin Company aus Buffalo

Die Larkin Company existiert zu diesem Zeitpunkt schon fast ein Jahrzehnt nicht mehr. Zunächst die Blütezeit der Kaufhäuser und später die große Depression sowie allgemeine Erleichterungen der Mobilität bringen das Unternehmen in Schieflage, bis es 1942 aufgelöst wird.

Abriss des Larking Building

Als sich 1950 noch immer keine Nachnutzung für den monumentalen Verwaltungsbau des Unternehmens gefunden hat, beschließt die Stadt den Abriss des Larkin Administration Building. Es ist das Ende einer Sehenswürdigkeit, die in der Gunst der Touristen von heute nicht weit hinter den Niagarafällen liegen würde.  

Blick auf den Buffalo River und die Skyline der Stadt

Aus heutiger Sicht wirkt der Abriss des Gebäudes wie ein Beschluss zur Selbstaufgabe Buffalos. Tatsächlich ziehen in den 1980er Jahren viele verbliebene Firmen in den sogenannten Sunshine Belt rund um North Carolina, wo das Klima freundlicher und die Energiekosten niedriger sind.

Damit scheint der Niedergang der einst so stolzen Stadt endgültig besiegelt. Die Innenstadt verwahrlost, die Bevölkerung sinkt auf die Hälfte des Höchststandes – und auch das Darwin Martin House ist dem Verfall ausgesetzt.

Es bleiben die Buffalo Bills und die Sabres

Jahrzehntelang dümpelt die Stadt vor sich hin. Rätselhafterweise sieht es auch in Niagara Falls trotz der wohl bekanntesten Wasserfälle der Welt nicht viel besser aus. So ist es den Sportteams vorbehalten, die Hoffnung auf bessere Zeiten aufrecht zu erhalten. Doch sowohl die Buffalo Bills (NFL) wie auch die Buffalo Sabres (NHL) scheitern im Finale um den Superbowl (vier Mal) und den Stanley Cup (einmal).

Autor Ralf vor einem Poster von Rasmus Dahlin, Kapitän der Buffalo Sabres

Erst in den 2010ern bahnt sich eine Trendwende an: Der Fracking-Milliardär Terry Pegula investiert als Besitzer der beiden Sportteams in neue Trainingseinrichtungen für die Sabres und ein neues Stadion für die Bills. Zeitgleich erleben auch die Getreidesilos, die zu den größten der Welt zählen, eine postindustriellen Metamorphose: Einige werden als Buffalo Riverworks zu einem Freizeitpark umgewandelt.

Buffalos Silo City als Weltkulturerbe?

Andere dienen als Silo City als angesagte Hülle für Lofts. Doch damit nicht genug: die Stadt hat einen Antrag bei der UNESCO eingereicht, die einst voluminösesten „Grain Elevators“ der USA ins Weltkulturerbe aufzunehmen.   

Pfingsrosen vor Frank Lloyd Wrights Darwin D. Martin House in Buffalo, New York

Der Aufschwung ist am Darwin Martin House nicht vorbeigegangen. Zwar hatte sich schon ab 1992 eine Stiftung für die Konservierung des kapitalen Baus eingesetzt, doch das Projekt schien schlicht zu umfangreich – auch weil mit Kutscherhaus, Pergola und Gärtnerhäuschen noch weitere Bauwerke zum Anwesen gehören.

Interieur mit Möbeln von Frank Lloyd Wright in Buffalos Darwin D. Martin House

Schritt für Schritt aber ist die Restaurierung so gelungen, dass das Haus 2019 als Museum wiedereröffnet werden kann. Ein prächtiges Anwesen, in dem sich viele Aspekte der jüngeren amerikanischen Geschichte spiegeln.

Neue Impulse für die Kultur

Die erhabene Aura des Darwin Martin House strahlt auf andere Bestandteile der Stadt ab. So hat sich die ursprünglich klassizistisch-biedere Albright Know Gallery ein neues Foyer gegönnt, für welches das Studio Other Spaces von Olafur Eliasson und Sebastian Behmann verantwortlich zeichnen. 

Das Foyer der Albright Know Galery von Studio Other Spaces von Olafur Eliasson und Sebastian Behmann

Mithilfe der skulpturalen Glashülle „Common Sky“ hat sich das Ausstellungshaus neu aufgestellt, um als AKG Art Museum der Zukunft entgegenzublicken. Der 2023 eingeweihte Bau darf als spektakulär gelungen gelten. Auch weil sie ihren eigentlichen Zweck erfüllt, als Vehikel für die kaum weniger hochwertige Kunstsammlung zu dienen. Mondrian, Rothko, Warhol und Rauschenberg sprechen eine deutliche Sprache.  

Ralf Johnen vor einem Bild von Mark Rothko in der Albright Know Gallery in Buffalo

Plötzlich ist Buffalo hip

Der Eindruck, dass Buffalo plötzlich hip und angesagt ist, setzt sich in der Elmwood Avenue fort. Die Hauptstraße des Univiertels erfreut mit Buchhandlungen, Record Stores sowie mit eigentümergeführten Restaurants, Bars, Supermärkten und Fachgeschäften. Dabei regiert ein sichtbar liberaler Zeitgeist, der sich in den USA der Gegenwart durch eine üppige Regenbogenbeflaggung und ähnlichen Aushängeschildern bemerkbar macht.

Pflanzenladen mit Haltung auf Elmwood Avenue in Buffalo

Auch am lange wenig attraktiven Zentrum ist die Wiedergeburt der Stadt nicht vorbeigegangen. Downtown erfreut neuerdings mit einer voll ausgebauten Waterfront. Hinter den stoisch auf Betonpfeilern aufgebockten Interstates erhebt sich ein Ensemble mittelhoher Wolkenkratzer, von denen einige die Aura des Pionierzeitalters konserviert haben. Besonders schön ist ihr Anblick von den Dächern einiger Backsteinbauten, die heute als Cocktail-Bars dienen. 

Downtown Buffalo mit blau angeleuchtetem Wolkenkratzer der ersten Stunde

So mag Buffalo auf der Liste der größte Städte der USA heute zwischen Chula Vista und Fort Wayne nur noch Rang 82 belegen. Doch die Stadt besitzt Charakter – und ein starkes Comeback ist ebenso wenig ausgeschlossen, wie künftige Titel für ihre Major League Teams.   

Skulptur von Louise Bourgeois vor der Albright Know Gallery in Buffalo

Informationen über Buffalo

Weitere Informationen über die Highlights von Buffalo findest du auf der Webseite des Tourismusbüros

Wo liegt Buffalo und wie komme ich dort am besten hin?

Downtown Buffalo befindet sich knapp 40 Kilometer südöstlich der Niagarafälle. Bis nach New York City sind es etwas mehr als 600 Kilometer, nach Toronto etwa 160 Kilometer. 

Der Flughafen von Buffalo ist gut ans Inlandnetz angeschlossen, du kannst in New York, Washington, Philadelphia oder Chicago umsteigen.

Was muss ich in Buffalo ungesehen haben?

Meine persönlichen Top 3 in Buffalo:

Das Darwin Martin House von Frank Lloyd Wright: 125 Jewett Parkway, Buffalo, NY 14214, Mo, Do, Fr 10.30–15.30, Sa, So 10–16.30 Uhr, Führungen ab 25 USD, Tel. +1 716 856 3858, martinhouse.org

Buffalo AGK Art Museum (ehemals Albright Knox Gallery): 1285 Elmwood Avenue, Buffalo, NY 14222, Tel. 716 882 8700, Do–Mo 10–17, Fr bis 20 Uhr, Eintritt 30 USD, buffaloakg.org

Buffalo River Works: Freizeitpark mit Ziplines zwischen Getreidespeichern, Riesenrad und postindustriellen Skulpturen. 59 Ganson Street, Buffalo, NY 14203, wechselnde Öffnungszeiten, Tel. 716 342 2292, buffaloriverworks.com


Gibt es in Buffalo ein Ausgehviertel?

Downtown hat sich in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt. Rund um Pearl Street und Main Street gibt es funky Restaurants und Bars, zum Teil mit Dachterrasse. 

Auch Elm Street hat abends einiges zu bieten. In dem Studentenviertel warten Bars, Restaurants und Clubs mit alternativem Einschlag. 

Wo gibt es die berühmten Buffalo Wings?

Anchor Bar: Erfunden wurden die Buffalo Wings in der Anchor Bar. Das Lokal existiert bis in die Gegenwart und lässt sich gut mit dem Besuch von Downtown oder einem Spiel der Buffalo Sabres verbinden. 1047 Main St, Buffalo, NY 14209, anchorbar.com

Big Ditch Brewing Company: Sympathische Alternative mit hausgemachtem Bier und den berühmten Buffalo Wings in einem Lokal. 55 East Huron St., Buffalo, NY 14203, Tel. 716 854 5050, tgl. ab 11 Uhr, bigditchbrewing.com


Wo kann ich in Buffalo übernachten?

Curtiss Hotel: Wenn es keines der üblichen Ketten-Hotels sein soll, empfehle ich dieses Haus. Schickes Boutique-Hotel in einem ehrwürdigen Bau aus der Gründerzeit in guter Downtown-Lage. 210 Franklin St., Buffalo, NY 14202, Tel. 716 954 4900, curtisshotel.com, ab 200 USD.


Buffalo Wings mit rohem Sellerie und Sahnesauce

Wofür ist Buffalo, New York, bekannt?

Buffalo war Ende des 19. Jahrhunderts eine der am schnellsten wachsenden Städte der USA. Als sogenannte Frontier City hat sie dazu beigetragen, dass der Westen des Landes erschlossen wurde. Heute ist die Stadt in den USA vor allem als Einfallstor zu den Niagarafällen, für seine Sportteams (Bills und Sabres) sowie für Buffalo Wings bekannt. 

Was hat es mit den Buffalo Wings auf sich?

Buffalo Wings sind ein Gericht, das in den ganzen USA bekannt ist. Die scharf marinierten Hähnchenflügel werden mit rohem Gemüse und einer Sahnesauce zum Tunken meist als Bar-Food gereicht. Das Rezept für die Buffalo Wings wurden in den 1960er Jahren in der Anchor Bar erfunden. 

Welche berühmten Architekten waren in Buffalo tätig?

Im Großraum Buffalo existieren bis zum heutigen Tage zehn Gebäude, die Frank Lloyd Wright entworfen. Mehrere davon gehören zu dem Gebäudekomplex, der als Darwin D. Martin House bekannt ist.

Andere Bauten befinden sich Privatbesitz und können nicht besichtigt werden. Eine gute Übersicht findest du hier. Weitere bekannte Architekten, die in Buffalo aktiv waren, sind Louis Sullivan (der Urvater des Wolkenkratzers und der Formel "Form follows Function"), Henry Hobson Richardson und Daniel Burnham. 

Was ist eine Major League City?

Als Major League City bezeichnen die Amerikaner Städte, in der es eines oder mehr Teams gibt, die in einer der fünf großen Sportligen spielen. Die Teams von NFL, NHL, NBA, MLB und Major League Soccer sind auf insgesamt 51 Städte verteilt, die als Major League Cities gelten.

Buffalo hat mit den Bills (vier Teilnehmen in der Super Bowl, null Titel) und den Sabres (zwei Finalteilnahmen um den Stanley Cup) zwei erfolgreiche Teams, doch der große Titel fehlt bis heute. 

Autor vor den Getreidesilos in Buffalo
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