Skulptur eines Jazz-Musikers in Mobile, Alabama vor Skyline

Zuletzt bearbeitet am 10/08/2026

Ein unvergesslicher Roadtrip durch Alabama

Southern Cuisine, Geschichte, Musik, Strand und Meer sind die Zutaten für einen abwechslungsreichen Trip durch den Südstaat. Als wäre das nicht genug, warten unterwegs zudem meisterhafte Ingenieursleistungen und elegante Architektur.

Strassenszene in Mobile, Alabama, inklusive Haus mit gusseiserner Balkonumrandung

Von New Orleans sind es gut 200 Kilometer bis nach in die 200 000-Einwohnerstadt an der Mobile Bay. Einmal angekommen, bemerken wir sofort eine gewisse Ähnlichkeit: In der Dauphin Street strecken American Live Oak ihre Zweige tentakelförmig aus.

Das Leben ist eine Auster: Skulptur in Mobile

Die Balkone eleganter Villen sind mit schmiedeeisernen Geländern ausgestattet. Die Restaurants kultivieren Southern Soul Food. Und wie wir in der Government Street sehen, feiert auch Mobile den Mardi Gras. Ja, es gibt sogar ein Carnival Museum.

Führung durch das Karnevalsmuseum

In dem Ausstellungshaus kommt der flamboyante Guide L. Craig Roberts schnell auf den Punkt: „Wir in Mobile hatten den ersten Mardi Gras der Welt.“ Auch sei die Stadt bereits 1702 von französischen Katholiken gegründet worden und somit älter als The Big Easy. „Die Franzosen haben die karnevalistischen Bräuche mitgebracht. Anders als im viel zu kalten Quebec konnten sie die hier auch kultivieren.“

Queen of Mardi Gras Statue in einem Park in Mobile, Alabama

Es ist historisch belegt, dass die Ursprünge des amerikanischen Mardi Gras in Mobile liegen. Der erste Umzug wird laut Roberts auf 1711 datiert. Heute existieren nicht weniger als 77 Mystic Societies und der Umzug am Fat Tuesday zieht Jahr für Jahr mehr als eine Million Besucher. Populäres Wurfmaterial sind die Moon Pies, mit Vanillecreme gefüllte Kekse, von denen wir eine Packung mit auf den Roadtrip nehmen.

Austern aus der Bucht von Mobile

Zuvor jedoch probieren wir eine lokale Spezialität, die in der großflächigen Bucht von Mobile gezüchtet wird: Austern. Bei Wintzell’s Oyster House kommen die Krustentiere „Fried, stewed or nude“ of den Teller. Unsere favorisierten Zubereitungsarten sind die „Bienville“ mit Shrimps, Krebsfleisch und Parmesan und „Monterey“ mit Jalapeño, geräuchertem Bacon und Cheddar. Nichts für Puristen, aber wir befinden uns ja nicht umsonst in den Südstaaten.

Schild für Lower Downtown Biergarten in Mobile Alabama mit Bundesadler

Am nächsten Tag nehmen wir Kurs auf Norden. Wir durchqueren üppig grüne und eher spärlich besiedelte Landschaften, bis wir nach fünf Stunden Birmingham erreichen. Über der auch als „Pittsburgh des Südens“ bekannten Industriestadt liegt ein dunkler Schatten, seit sie in den 1950ern und 60er Jahren zu einer Hochburg des Ku-Klux-Klan aufgestiegen ist, die Martin Luther King gar als „Metropole der Rassentrennung“ bezeichnete.

Ankunft in Birmingham

Tiefpunkt war der 15. September 1963, als bei einem Bombenanschlag auf die 16th Street Baptist Church vier junge afroamerikanische Mädchen ums Leben gekommen sind. Die Stadt hat ihre Geschichte nach Kräften aufgearbeitet, aber nicht vergessen.

Besucherin im Kelly Ingram Park in Birmingham, Alabama

Wir besuchen das Civil Rights Institute als Dokumentationszentrum, den Kelly Ingram Park als Gedenkstätte und die Kirche selbst, die allesamt nur wenige Schritte voneinander entfernt sind. Schwere Kost, die wir nicht vergessen werden.

Augenzeugin der Birmingham Bombings vor der 16th Street Baptist Church

Carolyn McKinstry, Augenzeugin der Birmingham Bombings

Doch wir möchten Birmingham nicht auf seine Geschichte reduzieren und beschließen, einer Stärke auf den Grund zu gehen: Soul Food. Im Hot and Hot Fish Club laben wir uns an einer Cuisine mit Einflüssen aus den Südstaaten, Kalifornien und Frankreich. Highlight: die Alabama Seafood Noodle Bowl.

Auf dem Weg zur NASA in Huntsville

Am nächsten Tag fahren wir gut anderthalb Stunden weiter gen Norden. Dort schraubt sich ein Relikt der US-Geschichte in den Himmel, auf das die Amerikaner mit mehr Stolz blicken können: eine Rakete des Typen Saturn V. Sie ist die weithin sichtbare Landmarke das NASA-Niederlassung in Huntsville.

Rakete vom Typ Saturn-V auf dem Nasa-Gelände in Huntsville, Alabama

Das Space and Rocket Center ist öffentlich zugänglich und eine Mischung aus Forschungslabor, Produktionsstätte, Dokumentationszentrum und Museum. Auch wenn Cape Canaveral und Houston aufgrund ihrer historischen Rollen für Mondlandung und bemannte Raumfahrt einen Großteil der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so ist Huntsvilles Bedeutung nicht zu unterschätzen: hier wurden die Startrampe für Canaveral und das Antriebssystem für die Saturn-Trägerraketen entwickelt.

Begegnung mit einem dubiosen Deutschen

Präsident Eisenhower hat die Anlage in ihrer heutigen Form 1960 eröffnet, doch Raketenforschung wurde hier bereits seit 1949 betrieben. Federführend dabei war ein Wissenschaftler, der in Deutschland eine zweifelhafte Reputation genießt: Wernher von Braun. Der Physiker war NSDAP-Mitglied und hatte für die Nationalsozialisten die V2-Rakete entwickelt.

Junge Frau in der Uniform eines NASA-Astronauten in Huntsville, Alabama

Obwohl die Waffe von beschränktem Einfluss auf den Kriegsausgang war, waren die Amerikaner nach Kriegsende sehr an Brauns Expertise interessiert. Im Rahmen der sogenannten Operation Overcast wurde er gemeinsam mit mehr als 50 weiteren deutschen Wissenschaftlern in die USA übergesiedelt, wo er sich in den Dienst der Vereinigten Staaten zu stellen hatte.

Echte Weltraum-Veteranen

Zumindest in Huntsville scheint man der Meinung, dass er dies auf hervorragende Weise getan hat, denn hier sind eine Multifunktionshalle mit 9000 Sitzplätzen, ein Planetarium und ein Forschungszentrum nach Wernher von Braun benannt. Die wohlwollende Haltung ist auch darauf zurückzuführen, dass Huntsville im Kielwasser von Brauns und der NASA zur größten und wirtschaftsstärksten Stadt Alabamas geworden ist.

Eichhörnchen auf dem Zweig einer American Live Oak in Alabama

Top-Attraktion bleibt das Space and Rocket Center, wo sich die NASA publikumswirksam inszeniert. Neben Raketen verschiedener Bautypen, einer Raumstation und dem rekonstruierten Büro Wernher von Brauns bringen Weltraumveteranen Leben ins Haus, die mit den Besuchern plaudern. Wir haben das Glück, dass uns er betagte Otha anspricht, der sich als stolzer Besitzer eines Führerscheins für Weltraumfahrzeug entpuppt.

The Shoals: Musik und Architektur von Weltrang

Weiter geht es in den äußersten Nordwesten Alabamas, wo sich zu beiden Seiten des Tennessee River The Shoals ausbreiten – ein aus sieben kleinen Städtchen bestehender Miniaturballungsraum. Zunächst legen wir eine Pause bei Champy’s Famous Fried Chicken ein, das uns für typische Alabama-Gerichte ans Herz gelegt wurde. 

Wir bestellen Southern Style Fried Green Tomatoes und anschließend Chicken ‘N Waffle. Ein Gericht, das wie der Name es sagt, aus der Kombination süßer Waffeln, frittiertem Hähnchenfleisch und Maple Sirup besteht, und das sich in den USA bis an die Küsten ausgebreitet hat.

Das Rosenbaum House von Frank Lloyd Wright in Florence, Alabama

Gut gesättigt überqueren wir den Fluss nach Florence, das seinem hochtrabendem Namen dank des Ehepaars Stanley und Mildred Rosenbaum durchaus gerecht wird: der Hochschullehrer und seine Frau hatten in den 1930er Jahren die Autobiographie von Frank Lloyd Wright gelesen und Amerikas erstem Stararchitekten mit dem Bau ihres Domizils beauftragt.

Musterbeispiel für den Usonian Style

Das Rosenbaum House zählt zu den gelungensten Exemplaren jenes Baustils, den Wright als Usonian Style bezeichnet hat.

Wohnzimmer mit Möbeln, die Frank Lloyd Wright selbst entworfen hat

Ein Wohnhaus, das sich mit natürlichen Materialien und horizontalen Formen leichtfüßig in die Landschaft einfügt, und das schon kurz nach seiner Fertigstellung 1940 auf Fotos den Weg ins Museum of Modern Art in New York gefunden hat. 

Blick in den Salon des Rosenbaum House von Frank Lloyd Wright

Trotz der bei Wright üblichen Mängelliste wie leckendem Dach und großzügiger Überschreitung des Budgets. 

3614 Jackson Highway

Keine fünf Kilometer südlich wartet auf der Südseite des Tennessee River ein weiterer Ort, der Kulturgeschichte geschrieben hat. Es handelt sich um einen rechteckigen Bau aus groben Gesteinsbrocken an der Adresse 3614 Jackson Highway in Sheffield, Alabama. Kenner der Musik aus den 60er und 70er Jahren könnten den Bau wiedererkennen, denn er ist auf dem Cover des gleichnamigen Albums von Cher abgebildet.

Cover von Chers Album 3614 Jackson Highway in Muscle Shoals, Alabama

Ein höchst ungewöhnlicher Ort für Popstars, sollte man denken. Doch wie wir beim Rundgang durch die Studios erfahren, haben auch die Rolling Stones („Wild Horses“), Elton John, Willie Nelson, und Bob Dylan („Gotta serve somebody“) hier aufgenommen.

Dry County

Das hatte zwei Gründe: die Studios verfügten mit der Muscle Shoals Rhythm Section über eine versierte Begleitband, die allen Sounds und Situationen gewachsen war. Zudem befanden sich die Studios in einem sogenannten „dry county“ – und das in nur 200 Kilometern Entfernung zur Musikkapitale Nashville.

Fass Frankenheim Alt im Keller der Muscle Shoals Sound Studios

Anders ausgedrückt: Stars, die des übermäßigen Konsums von Alkohol und Drogen verdächtig waren, wurden von ihren Plattenform gerne in die Shoals verfrachtet, um die Produktivität zu erhöhen. Die im Keller des Baus aufgereihten Flaschen und Fässer geben berechtigten Anlass zum Zweifel, ob der Plan aufgegangen ist.

Ein letztes Highlight: Alabamas Küste

Am Abend bilanzieren wir, dass wir bei unserer Reise unverhofft tief in amerikanische Geschichte und Gegenwart eingetaucht sind. Mit Zwischenstopps, die wir in Alabama kaum vermutet hätten. Doch einen Höhepunkt haben wir uns für das Finale aufgehoben.

Feiner Sandstrand an Alabamas Küste in Gulf Shores

Hierzu fahren wir zurück an die Küste. Unser Ziel ist Gulf Shores, ein nur wenige Kilometer westlich der Grenze zu Florida gelegenes Seebad. Wir erinnern uns, auch damals auf dem misslungenen Trip nach New Orleans hier durchgekommen zu sein.

Sonnenuntergang an der Küste von Gulf Shores in Alabama

Seinerzeit war es dunkel. Diesmal aber schaffen wir es kurz vor Sonnenuntergang zum schneeweißen Strand. Wir halten zunächst nur die Füße ins Wasser, doch als sich die Sonne immer mehr dem Wasser nähert, entscheiden wir uns um: wir müssen einfach eintauchen in den Golf von Mexiko. Ein Ritual, das wir an drei Tagen Strandurlaub noch viele Male wiederholen.   

Informationen zum Roadtrip durch Alabama 

Weitere Informationen zu Reisen durch Alabama findest du auf der Webseite des Tourismusbüros.

Was ist der beste Ausgangspunkt für einen Roadtrip durch Alabama?

Bester Ausgangspunkt für einen Roadtrip durch Alabama ist New Orleans. Wer an einem Flughafen mit direkter Anbindung nach Deutschland starten möchte, wählt Atlanta.

Wieviele Tage sollte ich für einen Roadtrip nach Alabama einplanen?

Die hier beschriebene Route ab New Orleans ist etwa 900 Meilen/1440 Kilometer lang, für das Programm sollte man sieben bis acht Tage einplanen.

Sonnenuntergang mit Blick auf den Ort Gulf Shores im US-Bundesstaat Alabama

Rundreise durch Alabama: Tag für Tag

Tag 1 des Roadtrips durch Alabama: Von New Orleans nach Mobile

Vom Louis Armstrong International Airport in New Orleans sind es über die Interstate 10 knapp 250 Kilometer bis nach Mobile. Wer Zeit mitbringt, aber sollte ab Bay St. Louis die Küstenstraße durch Mississippi (coastalmississippi.com) nehmen, die vorbei an nicht enden wollenden Sandstränden vorbei an verschlafenen Orten und Casino-Resorts wie Biloxi führt. Highlight ist Ship Island, eine bewohnte Insel, die sich für einen Tagesausflug gerade aufdrängt. 

Tag 2 des Roadtrips durch Alabama: Mobile

Ein Denkmal zu Ehren Bob Dylans ist uns nicht untergekommen. Doch Mobile bietet genug für einen eintägigen Aufenthalt. Das Mobile Carnival Museum (mobilecarnivalmuseum.com) ist nicht zuletzt dank der extravaganten Guides interessant. Vor allem Amerikaner besuchen außerdem den USS Alabama Battleship Memorial Park (ussalabama.com) rund um ein ausgemustertes Schlachtschiff von 1940.

Interessanter ist das Dokumentationszentrum zum Wrack der Clotilda (clotilda.com), das 1860 nicht weniger als 110 Afrikaner gegen ihren Willen nach Alabama verfrachtet hat und als letztes Sklavenschiff gilt. Regionaltypisches Essen gibt es im Wintzell’s Oyster House (wintzellsoysterhouse.com), das Downtown Hampton Inn (hilton.com) ist eine angenehme Unterkunft. Bars locken vor allem auf Dauphin und Government Street.

Tag 3 des Roadtrips durch Alabama: von Mobile nach Birmingham

Auf den rund 400 km hinauf nach Birmingham (birminghamal.org) stellt sich das typisch amerikanische Road-Trip-Gefühl ein. 16th Street Baptist Church (16thstreetbaptist.org), Birmingham Civil Rights Institute (bcri.org) und Kelly Ingram Park (nps.gov) sind Pflicht für alle, die sich für die bewegte Bürgerrechtsgeschichte interessieren.

Das historische Tutwiler Hotel (hilton.com) ist eine gute Ausgangsbasis. Birmingham hat sich als Hotspot der Southern Cuisine etabliert, z.B. im Hot and Hot Fish Club (hotandhotfishclub.com). Abends ist die Innenstadt recht verlassen, besser einen Wagen nehmen.

Tag 4 des Roadtrips durch Alabama: von Birmingham nach Huntsville

Auf den 160 km nach Huntsville (huntsville.org) überquert man den Tennessee River. Tatsächlich sind es von hier nur wenige km bis zum Music State. Huntsville ist ein dynamisches Tech-Zentrum, dessen Wirtschaft spürbar vom den  NASA-Einrichtungen der NASA (Space and Rocket Center, rocketcenter.com) profitiert.

Das Spring Hill Suites Downtown (marriott.com) erlaubt komfortable Nachtruhe. Die nur wenige Blocks große Downtown ist freundlich und fußgängerfreundlich, ein guter Ort für einen Drink z.B. im Sip (siphuntsville.com).

Tag 5 des Roadtrips durch Alabama: Von Huntsville nach The Shoals

Die 130 km nach The Shoals (visitflorenceal.com), einem Zusammenschluss kleiner Städte am Tennessee River, sollte man früh in Angriff nehmen, denn es locken mehrere Highlights: Das Rosenbaum House von Frank Lloyd Wright (wrightinalabama.com), das Muscle Shoals Sound Studio (muscleshoalssoundstudio.org) und die Fame Studios (famestudios.com) liegen dicht beeinander. Champy’s Famous Chicken (champyschicken.com) ist ein legendäres Südstaatenlokal mit Live-Musik.

Tag 6 des Roadtrips durch Alabama:The Shoals nach Gulf Shores

Die Strecke zurück an die Küste ist etwas über 600 km lang. Am schnellsten geht es über die I-65. Hier bietet sich ein Zwischenstopp in Alabamas Hauptstadt Montgomery (experiencemontgomeryal.org) an, die ihrerseits auf eine bewegte Bürgerrechtsgeschichte zurückblickt. Sehr beeindruckend ist das National Memorial of Peace and Justice (legacysites.eji.org/about/memorial/). Etwas länger ist der Weg auf der US-45, die jedoch mehr vom typischen Südstaatengefühl vermittelt.

Tag 7 des Roadtrips durch Alabama: ein Tag in Gulf Shores

Alabamas Küste mag nur knapp 100 km lang sein. Dabei unterscheidet sie sich im besten Sinne kaum von Floridas Panhandle. Gulf Shores (gulfshores.com) und das angrenzende Orange Beach etwa liegen auf einer Barriereinsel, verfügen über einen Pier (der nach hurrikanbedingter Renovierung im Sommer wieder freigegeben wird), Strandlokale und im Hinterland über den Gulf State Park (alapark.com) mit Seen und Wanderwegen. Herrlich entspannt für die Übernachtung ist das Indigo Orange Beach (ihg.com).

Tag 8 des Roadtrips durch Alabama: Gulf Shores nach New Orleans

Für den Rückweg zum Flughafen von New Orleans solltest du dreieinhalb bis vier Stunden einplanen. 

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