
Ausflug nach Ship Island in Mississippi
Abseits von Florida wird die amerikanische Golfküste immer noch unterschätzt. Ein Ausflug nach Ship Island in Mississippi stellt mühelos unter Beweis, dass die dortigen Strände zu den schönsten des Landes gehören. Weil die Insel unbewohnt ist, kann sich die Tierwelt ungehindert entfalten. EinTraum für einen Tagesausflug.

Es ist noch früh am Morgen, als wir uns am Yachthafen von Gulfport einfinden. Anders als am ungleich geschäftigeren kommerziellen Hafen geht es hier sehr bedächtig zu. Captain Louis Skrmetta empfängt uns um kurz vor 9 Uhr, um uns ein wenig über das familieneigene Unternehmen zu erklären. „In der vierten Generation“, sagt er, „bieten wir Ausflüge nach Ship Island an“.
Mit Captain Buck nach Ship Island
Konkurrenten für die Ausschreibung durch den National Park Service gebe es nicht. Das liege vermutlich daran, dass man nicht reich werde mit diesen Ausflügen. Aber immerhin habe es dafür gereicht, der Familie ein ordentliches Auskommen zu bescheren.
Auch wenn die Bedingungen immer widriger werden: „Ich glaube an den Klimawandel“, so Skrmetta, „und die Folgen bekommen wir immer mehr zu spüren“. So bleibe ihm und seiner Familie nichts anderes als die Hoffnung auf eine Saison frei von Hurrikanen.

Den Trip auf die Insel überlässt der Eigentümer von Ship Island Cruises dann einem Kollegen, der sich als Captain Buck vorstellt. Eine knappe Stunde dauert die Überfahrt auf die Insel, die etwa 20 Kilometer vor der Küste aus dem Golf herausragt.
Die meisten Menschen, so Buck, wundern sich, dass es in Mississippi überhaupt Strände gebe. Dabei besitze der zwischen Alabama und Louisiana gelegene Staat eine Küstenlinie von etwa 100 Kilometern Länge – wenn wir nur über das Festland reden.
Die Gulf Islands National Seashore
Hinzu kommen vier unwirklich schöne Inseln, die ebenfalls zum Territorium Mississippis gehören. Sie alle sind Teil der Gulf Islands National Seashore, einem Areal also, das mit einem Schutzstatus versehen ist, das fast an den eines Nationalparks heranreicht.

Auch auf diesen Inseln existieren Strände – sowohl auf der Golfseite wie auch auf der Küstenseite. Sie sind der Grund dafür, dass sich etwa 80 Personen an diesem sonnigen Frühlingsmorgen in Gulfport eingefunden haben.

Auf dem Weg dorthin halten wir alle gespannt Ausschau nach Delfinen, die hier im Golf zu den häufig gesehenen Bewohnern gehören. Tatsächlich lassen sich immer mal wieder ein, zwei oder drei Tiere blicken. Insgesamt aber wecken die Delfine heute einen kapriziösen Eindruck. Zwar scheinen sie das Boot zu begleiten. Aber sie tauchen nur für den Bruchteil einer Sekunde auf. Memorable Fotos kann daher niemand machen.
Begrüßungskomitee auf Ship Island
Einmal auf der Insel angekommen, empfängt uns ein Begrüßungkomitee aus Dutzenden von Rotflügelstärlingen empfangen. Die vorwitzigen Vögel freuen sich über die Besucher. Wohl wissend, dass sie sich in den kommenden Stunden mit diesen um die mitgebrachten Lebensmittel streiten können.

Einmal auf dem Anleger, sind es abermals Meeresbewohner, die unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Ausgewachsene „Stingrays“ (Stachelrochen) schwimmen unter dem Anleger durch. Eine klare Warnung, besser nicht ohne Gummischuhe ins Wasser zu gehen.
Rundgang über die Insel
Danach verteilen sich die Besucher. Einige beziehen die blauen Kombinationen aus Liegestühlen und Sonnenschirmen, die an der Küstenseite postiert sind. Andere wandern mit ihrem eigenen Strandequipment durch bis zur Golfküste. Hier ist der Strand aufgrund natürlicher Titanvorkommen dunkler und die Wellen sind höher.

Ich selbst breche zu einem Rundgang über die Westhälfte von Ship Island auf, solange die Temperaturen noch halbwegs moderat sind. Schon bald bin ich mehr oder weniger allein. Ich gehe bis zur Hüfte ins Wasser, staune über Totholz und inspiziere die Vögel, die hektisch auf dem Strand umhertippeln. Austernfischer, Kiebitzregenpfeifer und Strandläufer.

Später in einer Brackwasserlagune sehe ich weitere Spezies, die ich jedoch nicht identifizieren kann. Also konzentriere ich mich auf eine Kolonie Pelikane. 50 oder 60 mächtige Exemplare, die alle dort zusammenhocken, wo zwei Meeresströmungen aufeinandertreffen und für gebührendes Getöse im Wasser sorgen. Ich bleibe bewusst auf Abstand, doch die Pelikane ziehen es vor, ein Bad zu nehmen, als sie mich sehen.

Mittlerweile ist es nach 11 Uhr und die Sonne knallt ordentlich. Ich bin froh, bereits zwei Drittel der gut fünf Kilometer hinter mir zu haben. Entdeckungen aber markieren auch weiterhin meinen Weg. Erst sind es archaische Pfeilschwanzkrebse, die sich seit rund 200 Millionen Jahren in unveränderter Form auf dem Planeten halten. Anschließend sehe ich eine Krebsspezies – und schließlich erhebt sich ein Fischadler mitsamt seiner Beute von einem Baumstamm.
Ein paar Stunden am Strand
Es ist ein herrlicher Rundgang. Danach ist Abhängen abgesagt. Mit Buch, Sandwich und eiskaltem Wasser vergehen die Stunden unter dem Sonnenschirm schön langsam. Kurz bevor das Schiff wieder Kurs auf Gulfport nimmt, raffe ich mich noch zu einer Führung durch Fort Massachusetts auf.

Die Festung ist das einzige nennenswerte Bauwerk auf Ship Island. Es stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die USA noch Angriffe auf ihre Küste gefürchtet haben, vor allem von britischen Truppen. Eine Wohlfühlgeschichte ist es nicht, denn im Sommer ist es auf der Insel brüllend heiß.

Die Lebensumstände für die hier stationieren Soldaten waren folglich höchst widrig. Viele ließen in dem trutzigen Backsteinbau ihr Leben. Eine düstere Erinnerung an die Tatsache, dass nicht alle Generationen das Privileg hatten, Bestandteil einer Freizeitgesellschaft zu sein.

Beim Boarding bringt uns die Crew des Schiffes wieder auf andere Gedanken. Sie hat für uns alle ein Souvenir parat: einen Haifischzahn, die es hier zuhauf gib. Er ist klein und eher schwarz als weiß. Falls mich jemand fragt, wo er herstammt, kann ich antworten: von einem Strand in Mississippis.

Informationen zu Mississippis Küste
Weitere Informationen zu der Region findest du auf der Homepage von Coastal Mississippi.
Ja, Mississippi verfügt über eine Küstenlinie mit etwa 100 Kilometer Sandstrand. Ein Teil davon wurde künstlich aufgeschüttet.
Hinzu kommen Strände auf den vier Inseln im Golf, die zur Gulf Coast National Seashore gehören.
New Orleans ist ein exzellenter Ausgangspunkt für einen Trip an die Küste von Mississippi. Die Stadt ist nur 1,5 Autostunden von Gulfport entfernt. Neuerdings kannst du die Strecke auch mit dem Mardi Gras Service von Amtrak erreichen.
Ship Island ist eine Insel im Golf von Mexiko mit einer Ost-West-Ausdehnung von rund 11 Kilometern. Ship Island liegt knapp 20 Kilometer von der Küste entfernt. Bis nach New Orleans sind es von hier aus etwas weniger als 100 Kilometer.
Die Insel ist unbewohnt. Lediglich ein Park Ranger verweilt saisonal auf dem Island.
Das Familienunternehmen Ship Island Excursions (msshipisland.com) steuert die Insel von März bis Oktober bis zu zwei Mal täglich an. Abfahrten ab Gulfport sind auf 9 und in der Hochsaison auch auf 12 Uhr terminiert. Tickets kosten 48 USD pro Person. Der Trip dauert alles in allem etwa 6 Stunden.
Im Preis inbegriffen ist die Besichtigung von Fort Massachusetts. In einem kleinen Shop auf der Insel kannst du Snacks und Badebedarf kaufen.
Die Inseln im Golf sind Teil der Gulf Islands National Seashore, die vom Nationalpark unterhalten wird.
Auf jeden Fall. Der Trip war wunderbar – allein wegen der einsamen Strände und der intakten Tierwelt. Allerdings habe ich den Trip im April unternommen. Ob das Ganze im Hochsommer bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit genauso viel Spaß macht, vermag ich daher nicht zu beurteilen. Für den Ausflug würde ich 10 von möglichen 10 Punkten vergeben. Wirkich fabelhaft, es gibt nichts daran auszusetzen.
Schau auf die Homepage von Coastal Mississippi. Hier findest du nützliche Ideen für deinen Trip.

