Mit Moos überwachsene Bäume im Hoh Rain Forest Washington State

Zuletzt bearbeitet am 10/08/2026

Hoh Rain Forest: Verwunschener Wald im Olympic National Park

Der Olympic National Park birgt auf engem Raum drei völlig unterschiedliche Naturattraktionen. Nachdem sich die Olympic Mountains im Norden wie eine alpine Gebirgslandschaft präsentieren, zeigt die Bergkette an der Westflanke ein völlig anderes Gesicht. Hier gedeiht mit dem Hoh Rain Forest ein temperierter Regenwald, wie man ihn in Europa vergeblich sucht. Sein Anblick ist zu jeder Jahreszeit spektakulär.

Umgekippter Baum mit Menschengruppe im Hoh Rain Forest

Die volle Dramaturgie des Olympic National Park entfaltet sich erst, wenn man die Olympic Peninsula gegen den Uhrzeigersinn befährt. In der rauen Hafenstadt Port Angeles fällt zunächst der Blick auf Vancouver Island, das sich hinter der Grenze in Kanada befindet.

Sitzbank vor den Ufern von Lake Crescent auf der Olympic Peninsula

Wenig später spiegeln sich im unwirklich schönen Lake Crescent liebliche Berge, die mit Nadelbäumen bewachsen sind. Doch nichts reicht an den Hoh Rain Forest heran, der nur über eine 40 Kilometer lange Stichstraße vom Highway 101 erreichbar ist.

Die enorme Fruchtbarkeit des Hoh Rain Forest

Diese führt zunächst durch das Tal des Hoh River, das bereits durch seine üppige Vegetation auffällt. Die einst hier vorhandenen Wälder wurden jedoch in der Vergangenheit fast vollständig abgeholzt. Je mehr die Hügel in Berge übergehen, umso ursprünglicher aber wird die Umgebung. Die enorme Fruchtbarkeit ist auf die Nordsüdausdehnung der maximal 2432 Meter hohen Olympic Mountains zurückzuführen. Sie bilden für die ebenso kühle wie feuchte Pazifikluft eine natürliche Barriere.

Wasserfall im Olympic National Park

Die unweigerliche Folge sind ergiebige Niederschläge. Zwischen 3600 und 4200 mm Regen fällt hier im Nordwesten Washingtons jährlich pro Quadratmeter. Zum Vergleich: in Köln sind es 870 mm, in Berlin um die 600 mm. Ideale Voraussetzungen für Nadelhölzer, um über Jahrhunderte in enorme Höhen zu schießen. Sitka-Fichten, Rot-Zedern, Westamerikanische Hemlocktannen und Douglasien erreichen Höhen von bis zu 100 Metern.

Erstaunliche klimatische Bedingungen

Neben ihren Stämmen, die im Hoh Rain Forest nicht selten einen Umfang von sieben oder acht Metern besitzen, wirken Menschen verschwindend klein. Doch nackte Zahlen werden der Magie des Hoh Rain Forest nicht gerecht. Vielmehr sorgen die klimatischen Bedingungen dafür, dass Äste und Stämme der Bäume üppig mit Moos bewachsen sind. In langen Zotteln hängt von jahrhundertealten Bäumen herunter, was den Effekt eines verwunschenen Märchenwaldes dramatisch verstärkt. Auf dem Boden gedeihen unterdessen Farne, die ebenfalls mannshoch werden können.

Mann begutachtet eine Chlorophyllexplosion im Hoh Rain Forest

Die topographischen Verhältnisse sind an der amerikanischen Westküste vielerorts ähnlich. Daher breiten sich von Seattle über Oregon bis hin nach Kalifornien Waldgebiete mit Baumgiganten aus. Kaum irgendwo aber sind sie gut erschlossen, wie hier im Nordwesten Washingtons. Wie in anderen Nationalparks auch, ist die Infrastruktur dem Ansturm in der Hauptsaison von Juli bis September kaum noch gewachsen. Wer im Hoh Rain Forest wandern möchte, sollte daher nicht nach 9 Uhr erscheinen.

Wanderwege im Hoh Rain Forest

Einmal vor Ort, bieten sich mehrere Wanderwege zur Erkundung der seltsam schönen Natur an. Der Hall of Mosses Trail ist ein 1,2 Kilometer langer Rundweg, der rasch einen Überblick gewährt. Der 1,9 Kilometer lange Spruce Nature Trail führt durch den Zauberwald an den Hoh River. Ausgangspunkt beider Wege ist das Besucherzentrum des Hoh Rain Forest. Entsprechend groß ist der Andrang von Tagestouristen.

Bäume im Olympic National Park

Eher an Abenteurer richtet sich derweil der Hoh River Trail. Der 30 Kilometer lange Fernwanderweg führt durch einsame Natur auf die Flanken des Mount Olympus. Doch auch Tageswanderer nutzen den Weg. Um ihnen die Orientierung leichter zu machen, haben die Park Ranger nach drei, sechs und acht Kilometern Wendepunkte markiert.

Das Hard Rain Café außerhalb des Parks spielt mit den Wetterkapriolen

Je weiter man sich vom Parkplatz entfernt, umso weniger Menschen trifft man. Dafür steigt die Chance auf Begegnungen mit der Tierwelt. Im Hoh Rain Forest sind unter anderem Berglöwen, Schwarzbären, Wapati-Hirsche und Waschbären beheimatet. Wer hier unterwegs ist, sollte sich entsprechend verhalten.

Teil des Olympic National Park

Der Hoh Rain Forest ist eine von drei geschützten Regionen des Olympic National Park. Die anderen beiden sind der Kalaloch Beach und die Hurricane Ridge. Beide sind ebenso sehenswert. 

Weitere Informationen 

Webseite: nps.gov/olym

Wo liegt der Hoh Rain Forest?

Der Hoh Rain Forest befindet sich im US-Bundesstaat Washington State. Von Seattle sind es knapp 350 Kilometer hierhin. Weil es sich um eine kurvenreiche Strecke handelt, beträgt die Fahrtzeit mindestens 4,5 Stunden.

Wieviel kostet der Eintritt in den Hoh Rain Forest?

Der Hoh Rain Forest gehört zum Olympic National Park. Der Park besteht aus drei Teilen, die kostenpflichtig sind. Noch beträgt der Eintritt 30 USD pro Fahrzeug, doch die Regierung plant eine drastische Verteuerung für Nichtamerikaner. 

Wo kann ich Parken im Hoh Rain Forest?

Die Parkmöglichkeiten im Hoh Rain Forest sind begrenzt. Wenn die Parkplätze voll sind, muss man warten. Wer keine Enttäuschung erleben möchte, sollte daher rechtzeitig anreisen.

Wie sind die Öffnungzeiten im Hoh Rain Forest? 

Der Hoh Rain Forest und der Olympic National Park sind wie alle Nationalparks rund um die Uhr geöffnet. Das Besucherzentrum ist von März bis November täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Hoh Rain Forest: Lohnt sich der Besuch? 

Unbedingt. Der Hoh Rain Forest ist ein magischer Ort, wie man ihn dank des temperierten Regenwaldes in Europa nicht findet. Für mich war der Besuch ein absolutes Highlight, das ich nicht missen möchte. (9/10) 

Kann ich im Nationalpark übernachten?

Im Hoh Rain Forest existieren lediglich Zeltplätze. Die meisten sind nur saisonal geöffnet, die Plätze sind begehrt. Am spektakulärsten ist der Deer Park Campground, der auf mehr als 1500 Metern einen unverstellten Blick auf den Sternenhimmel bietet. Eine tolle Unterkunft ist die Kalaloch Lodge am Kalaloch Beach (55 km).

Welche Sehenswürdigkeiten sind in der Nähe des Hoh Rain Forest?

Der ebenfalls zum Olympic National Park zählende Kalaloch Beach ist nur 55 Kilometer oder eine Autostunde entfernt. Die Hurricane Ridge an der Nordflanke der Olympic Mountain Ridge ist ebenfalls spektakulär. Bis dorthin sind es vom Hoh Rain Forest gut 170 Kilometer oder 2,5 Stunden. Die Strecke ist überwiegend sehenswert und führt vorbei am wunderschönen Lake Crescent.    

Wo kann ich essen?

Restaurant: Im Hoh Rain Forest gibt es keine Restaurants. Im Besucherzentrum sind lediglich Snacks erhältlich. Gut 20 Kilometer westlich lockt ein Café mit lustig-selbstironischem Namen. Hier gibt es Sandwiches und – wie überall in Washington State – guten Kaffee. Auch zum Kauf von Merchandise eignet sich das Haus.

Hard Rain Café: 5763 Upper Hoh Road, Forks, hohrainforest.wixsite.com/hardrain

  

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