
Saratoga Springs: Wo Amerika das Mineralwasser entdeckt hat
Der Kurort Saratoga Springs in Upstate New York hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen steilen Aufstieg zum Lieblingsziel der Schönen und Reichen hingelegt – bis das schwefelhaltige Wasser knapp wurde. Eine amerikanische Parabel.

Mineralwasser wie wir es kennen ist in den USA kaum verbreitet. Zu den wenigen erhältlichen Sorten gehören die dunkelblauen Glasflaschen der Marke Saratoga, die sowohl gut sortierte Supermärkte wie auch gehobene Restaurants führen. Das Wasser wird sogar mit Kohlensäure versetzt und als Sprudel abgefüllt.
Saratoga Springs: Ein Kurort wie in Europa
Es stammt aus Saratoga Springs in Upstate New York, ein Ort, der sich im alten Europa mühelos für das Prädikat eines Kurorts qualifizieren würde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das rund vier Autostunden nördlich von New York City gelegene Städtchen in den USA eine derartige Besonderheit, dass die High Society der Ostküste hier gerne seine Ferien und Wochenenden verbrachte.

Ein paar Kilometer südwestlich des Ortskerns erfahren Besucher im Saratoga Spa State Park, dass gleich mehrere Heilquellen für die Blütezeit des Ortes verantwortlich waren. Ihre nachweisliche Heilkraft löste einen regelrechten Boom aus, der den Bau von knapp einem Dutzend Luxushotels, Pferderennbahn und vier großen Badehäusern nach sich zog.

Wo Cornelius Vanderbilt gezockt hat
Gesellschaftlicher Dreh- und Angelpunkt waren die Clubs und das Canfield Casino. Dessen prächtiger Ballsaal verfügt über eine Säulenhalle mit Fischgrätenparkett und einer Gewölbedecke, in die mit Bleiglas gefüllte Achtecke eingelassen sind.

Heute gehört der Saal zum History Museum, das weitere Details aus der Historie ans Tageslicht bringt. So mussten sich Tycoons wie Cornelius Vanderbilt nicht mit dem Fußvolk abgeben: Der Erbauer der 1867 fertig gestellten New York Central Railroad konnte in den Hinterzimmern des Ballsaals ungestört dem Glückspiel frönen.

Es sollte nicht lange dauern, bis die üppig gefüllten Portemonnaies der Besucher auch zwielichtige Gestalten anzogen: Charles »Lucky« Luciano und Meyer Lansky gehörten zu den regelmäßigen Besuchern Saratogas.
Das vielleicht beste Mineralwasser der USA
Während der ein oder andere vor Ort hinter schwedischen Gardinen landete, spielte sich das ultimativ geschäftsschädigende Drama rund um die Wasservorräte ab. Im Jahr 1900 zählte der Ort nicht weniger als 203 Quellen, die sowohl in Bädern wie auch als Trinkwasser genutzt wurden. Doch die Gier insbesondere der Getränkekonzerne hatte zur Folge, dass das schwefelhaltige Wasser knapp wurde und die Wellness-Angebote wegen Versorgungsengpässen ins Straucheln gerieten.

So ist Saratoga bereits zu einem warnenden Beispiel geworden, als Verteilungskämpfe um das kostbare Gut andernorts noch in ferner Zukunft lagen.
Die Rettung der Quellen von Saratoga Springs
Als 1911 der heutige State Park ins Leben gerufen wurde, konnten immerhin 17 Quellen gerettet werden. Fünf davon sprudeln bis heute so ergiebig, dass man ihre mineralischen Geschmacksnoten während eines Rundgangs im Testkelch vergleichen kann.

Im mondänen Roosevelt Bath House wirkt das Wasser unterdessen lindernd auf die Körper der Spa-Besucher ein.
Schicker Ortskern
Geblieben sind neben den Quellen auch der Kurpark, die Rennbahn sowie ein lebendiger historischer Ortskern. Wer heute über den örtlichen Broadway schlendert, entdeckt reich ornamentierte Backsteinbauten aus der Gründerzeit.

Hier konkurrieren extravagante Geschäfte mit schicken Restaurants um die Gunst der Touristen. Diese nutzen die Nachtmittagssonne, um an einem Gläschen Chardonnay zu nippen, ehe sie in Grand Hotels der glorreichen Zeiten wie dem Adelphi nächtigen.
Auch das Sprudelwasser in den blauen Flaschen ist präsenter denn je zuvor. Allerdings ist es mit einer Fußnote zu genießen, denn das flüssige Gold stammt nur noch zu einem Bruchteil aus Saratoga.

Trockene Pointe
Das Gros schaffen Lkws aus Vermont und Connecticut heran. So ist es auch zu erklären, dass die mittlerweile zum Blue Triton-Konzern (einer ehemaligen Nestlé-Tochter) gehörende Marke als Herkunftsort des Wassers »Quellen aus dem Nordosten« nennt.
Eine etwas kryptische Bezeichnung, die sich aber gut in die pointenreiche amerikanische Geschichte einfügt.
Weitere Informationen zu Saratoga Springs
Besuche die Webseite von Discover Saratoga
In Flaschen abgefülltes Mineralwasser mit Kohlensäure, wie wir es aus Europa kennen, ist in den USA kaum verbreitet. Allerdings gibt es sehr wohl ein solches Wasser: es heißt Saratoga Springs, stammt ursprünglich aus New York State, und wird in blauen Flaschen abgefüllt. Mittlerweile wird ein Großteil des Wassers aus Vermont und Connecticut eingeführt.
Saratoga Springs befindet sich gut 180 Meilen (290 km) nördlich von New York City, bis zu den Thousand Islands ist es ähnlich weit. Die Fahrzeit auf New York beträgt etwas mehr als drei Stunden.
Ja, der Besuch von Saratoga Springs lohnt sich definitiv. Das Städtchen besitzt einen Kurpark, Badehäuser und State Parks, die an einen europäischen Kurort erinnern. Das gilt auch für die Hotellandschaft. Der Ort selbst ist gemütlich und belebt zugleich.
Das History Museum ist ein aufwändig kuratiertes Ausstellungshaus für die örtliche Geschichte. 1 East Congress St., Saratoga Springs, saratogahistory.org, wechselnde Öffnungszeiten (im Winter geschlossen), Eintritt 15 USD.
Ja, das Saratoga Arms ist ein ebenso kleines wie gemütliches Hotel im Zentrum mit auf Alt getrimmten Zimmern. Mit hat es dort sehr gut gefallen. saratogaarms.com
Das Boca Bistro in Saratoga Springs hat gute spanische Küche von Tapas bis zu Paella. 384 Broadway, Saratoga Springs, bocabistro.com (Mittwoch geschlossen).
Bücher-Fans sollten unbedingt den Northshire Bookstore besuchen. Die Buchhandlung in Saratoga Springs wirbt damit, das beste Sortiment des gesamten Nordostens der USA zu besitzen. Kostenlos dazu gibt es einen höchst liberalen Geist, der durch das Ladenlokal weht. 424 Broadway, Saratoga Springs, northshire.com, täglich von 10 bis 19 Uhr.
