
Kann man noch in die USA reisen?
Kann man noch in die USA reisen? Diese Frage stellen sich zurzeit viele potenzielle Besucher. Fans, die schon seit langen Jahren in die Vereinigten Staaten reisen. Mögliche Erstbesucher, die sich den Traum erfüllen wollen, endlich mal die Wolkenkratzer von New York oder die Weiten der Nationalparks zu sehen. Geschäftsleute, für die der persönliche Kontakt unerlässlich ist. Oder auch skeptische Familienmitglieder und Freunde, die von einer bevorstehenden USA ihrer Lieben wissen.

Die Frage, ob man im Jahr 2026 noch in die USA reisen möchte, ist von vielen Faktoren abhängig. Wichtigster Einfluss dabei ist das verstörende Getöse, das uns Tag für Tag aus dem politischen Washington erreicht. Auf viele staatliche Handlungen, die daran festgemacht sind, trifft das genauso zu. Weiter ins Detail braucht man an dieser Stelle gar nicht zu gehen. Entweder man möchte in die USA reisen, oder man möchte es eben nicht.
Entscheidend sind die richtigen Papiere
Die Frage allerdings, ob man noch in die USA reisen kann und ob das auch Spaß macht, ist eine ganz andere. Bei der Beantwortung möchte ich, der ich fast 50 Mal in den unterschiedlichsten Landesteilen gewesen bin, ein wenig Hilfestellung leisten.
Sachlich betrachtet ist es schlicht und einfach so, dass man als Staatsbürger eines EU-Landes oder der Schweiz unverändert leicht in die USA reisen kann. Voraussetzung ist – wie bei allen Grenzübertritten – dass die Papiere aller beteiligten Personen in Ordnung sind. Das heißt: für Touristen bei Aufenthalten von bis zu 90 Tagen eine gültige ESTA. Für Geschäftsleute, Studenten, Austauschschüler etc. das jeweils zutreffende Visum. Und für Journalisten wie mich, die aus den USA oder über das Land berichten, das sogenannte I-Visum.

Wer im Besitz der richtigen Papiere ist und sich bei der Immigration vor Ort kooperativ verhält, kann ganz normal in die USA einreisen. Zehntausende Besucher machen das Tag für Tag. Wie Zahlen belegen, kommt es dabei selten zu Komplikationen. So hat mir ein Insiderberichtet, dass 2025 von 100 000 Deutschen im Schnitt 16 von Grenzbeamten abgelehnt worden sind.
Unter der vorigen Regierung waren es 15. Ob diese Angaben den Fakten entsprechen, kann ich in Ermangelung offizieller Zahlen nicht überprüfen. Allerdings kenne ich meinen Informanten seit vielen Jahren und sehe ich keinen Grund an seinen Angaben zu zweifeln.
Wenig Zwischenfälle bei der Fußball-WM
Kurzum: wenn man in die USA reisen möchte und korrekte Papiere hat, dann haben Europäer keine Probleme zu befürchten (was bei der Immigration zu beachten ist, erkläre ich in einem gesonderten Artikel).
Das galt auch und insbesondere für die zurückliegende Fußball-Weltmeisterschaft. Seit langer Zeit haben hochrangige touristische Instanzen darauf hingearbeitet, die Einreise für Ticket-Besitzer so einfach wie möglich zu gestalten. Dieselben Leute äußerten sich zuletzt frustriert, dass ihre Botschaft in den betroffenen Ländern nicht wie geplant angekommen ist. Die Fakten sind im politischen Grundrauschen untergegangen.

Wie ist die Stimmung vor Ort?
Eine andere Frage, die viele Leute beschäftigt, ist die Stimmung vor Ort. Auch hierzu kann ich eine Einschätzung geben. Ich war zuletzt im Juni 2025 in New York State und Illinois. Anschließend im September und Oktober für drei Wochen in Washington State, Oregon, Montana und Idaho. Und zuletzt im April 2026 für zehn Tage in Louisiana, Mississippi und Alabama. Meine Erfahrungen waren fast durch die Bank sehr positiv.
Freundlich sind die Amerikaner sowieso nahezu immer. Doch bei meinen beiden jüngsten Besuchen waren sie besonders freundlich. Auf meinem Flug von Washington nach Syracuse, NY, saß ich neben einer emeritierten Professorin, die sich dankbar zeigte „that you guys are still coming“.

Im Pazifischen Nordwesten ist die Stimmung ohnehin entspannt. Und jüngst in Georgia haben mich zwei Flughafenmitarbeiter mit den Worten „Welcome to Atlanta“ begrüßt, noch ehe ich die Immigration erreicht hatte. Das hat keine offizielle Bedeutung. Aber es ist ein wirksames Zeichen dafür, dass sich Besucher willkommen fühlen dürfen.
Good things happen
Hinzu kommt, dass tatsächlich viele gute Dinge in den USA passieren. Doch sie haben zurzeit kaum eine Chance darauf, in Europa zur Kenntnis genommen zu werden. Jüngste Beispiele: Amtrak hat seine Bahnverbindung zwischen New Orleans und Mobile (Alabama) wieder aufgenommen. Die Strecke war 2005 von Hurrikan Katrina verwüstet worden und ist dann in Vergessenheit geraten. Nun ist sie im tiefen Süden der Renner schlechthin (eine Geschichte folgt in Kürze).

Auch erreichen Essen und Trinken rasant ein spürbar höheres Qualitätslevel. So hat der Guide Michelin 2025 erstmalig eine eigenständige Publikation über den Süden der USA herausgegeben. Meine stichprobenartige Erkenntnis: die darin vertretenen Lokale werden auch den Erwartungen internationaler Besucher gerecht.
Und das an Orten, wo man das noch vor Kurzen nie erwartet hätte. In Gulfport, Mississippi, etwa habe ich im Siren Social Club zu Abend gegessen. Eine einfache Empfehlung (ohne Bib oder Stern) aus dem Guide Michelin – und ein Lokal, das meine Erwartungen deutlich übertroffen hat.
Den Fernseher aus lassen
Und die allgemeine Stimmung im Lande? Was diese angeht, gebe ich in jüngerer Vergangenheit immer dieselbe Antwort. Solange man den Fernseher nicht anmacht oder Leute in politische Gespräche verwickelt (ein „no no“), merkt man von der in Europa immer thematisierten Gespaltenheit des Landes wenig bis nichts.
Wohl aber meine ich zu spüren, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung keine Lust mehr auf die aufgeheizte politische und gesellschaftliche Stimmung hat. Stellvertretend hierfür nenne ich eine Schlagzeile, die ich neulich in einer Zeitung gesehen habe: „Make politics boring again.“

So fällt mir persönlich das Fazit leicht, keine Bedenken gegen den Besuch der USA zu haben. Weder privat noch beruflich. Auch sehe ich keinen Grund von der Reise in die USA abzuraten, solange die Einreisevoraussetzungen stimmen. Gleichzeitig kann ich sehr wohl nachvollziehen, wenn potenzielle Besucher aktuell mit Verweis auf die politische Gemengelage oder ständige Zollandrohungen verzichten.
Die daran geknüpfte Debatte finde ich persönlich sogar sehr interessant. Inwieweit sind moralische Gründe für den Verzicht auf den Besuch eines Reiseziels relevant? Das ist eine ähnlich kraftvolle Frage wie jene, ob ich aus Gründen des Klimaschutzes auf eine Flugreise, eine Kreuzfahrt oder eine lange Autoreise verzichte. Es bleibt dabei, dass jeder dies mit sich selbst ausmachen muss. Doch es kann nie schaden darüber zu reden. Ebenso wie über die Frage, ob man noch in die USA reisen kann.
Die Einreisebedingungen für Deutsche, Europäer aus der EU und Schweizer sind unverändert. Wer ein gültiges Visum oder eine gültige ESTA besitzt, muss keine Schwierigkeiten befürchten.
Das letzte Urteil über die Einreise in die USA obliegt den Beamten der Einreisebehörde vor Ort. Doch in aller Regel machen diese Touristen keine Schwierigkeiten.
Inoffiziellen Angaben zufolge wurden 2025 im Durchschnitt 16 von 100 000 Deutschen an der Grenze zu den USA abgewiesen. Unter der vorigen Regierung waren es im Durchschnitt 15.
Das wichtigste bei der Einreise in die USA ist, dass du die richtigen Papiere hast. Neben einem 90 Tage gültigen Reisepass gehört dazu entweder eine gültige ESTA oder ein gültiges Visum.
Wenn du bei der Immigration nach dem Grund deines Aufenthalts gefragt wirst, solltest du zudem immer wahrheitsgetreu antworten.
Auf gar keinen Fall solltest du mit einer ESTA oder einem Touristenvisum einreisen, wenn du in Wahrheit in den USA arbeiten oder studieren möchtest.
In solchen Fällen reagieren die Behörden sehr unwirsch. Aber das ist in allen Ländern des Planeten so.
Nach allem, was ich gehört habe, soll Ticket-Besitzern die Einreise und die Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht werden.
Auch hier gilt, was ich bei den vorigen Fragen als Antwort geschrieben habe.
