woman standing near USA flag

Foto: Spencer Davis/Unsplash

Trinkgeld in den USA – eine Übersicht

Das Thema Trinkgeld ist in den USA groß. In diesem Text möchte ich euch einen Überblick darüber verschaffen, wie die Erwartungshaltung des Servicepersonals in den USA in Sachen „tipping“ aussieht. Denn auch als Besucher kommt man in den USA nicht oder nur sehr schwer daran vorbei, sich an der Trinkgeldkultur zu beteiligen.

Welche Bedeutung das Trinkgeld in den USA spielt, habe ich schon bei einem mehr ersten Trips zu spüren bekommen. Damals war ich mit meiner jetzigen Frau auf einem Roadtrip durch New England. Am Abend sind wir in einem touristischen Ort (in meiner Erinnerung war es Kennebunkport, Maine) essen gegangen. Das Essen ist mir nicht mehr in Erinnerung. Wohl aber, dass wir offenbar nach europäischer Gewohnheit um die zehn Prozent Trinkgeld gegeben haben. Zu wenig.  

Proper Tipping in New England

Zum Dank haben wir nach der Abrechnung von der weiblichen Bedienung eine vorgedruckte Karte mit der Aufschrift „Proper Tipping in New England“ erhalten. Dort stand vermeldet, dass das Personal mindestens 15 Prozent Trinkgeld erwartet. Dies gilt für aber nur in Falle mäßiger Zufriedenheit mit dem Service – ungeachtet der Qualität der Speisen. Sollten die Gäste hingegen sehr zufrieden mit dem Service gewesen sein, seien 20 Prozent Trinkgeld angemessen.

So wurde der Abend für uns zu einem einschneidenden Erlebnis. Und das Thema Trinkgeld in den USA hatten wir nach dieser Lehrstunde dauerhaft auf unserem Radar. Mit der Faust in der Tasche haben wir uns in diesem Moment damit abgefunden, dass Essen und Trinken in den USA erheblich mehr kostet, als die Speisekarte dies ausweist. Auf jeden Dollar von der Rechnung kommen die State Tax von meist 7 Prozent und 15 bis 20 Prozent Trinkgeld obendrauf.

Trinkgeld in den USA: niedriger Grundlohn

Das kann man ärgerlich finden. Aber widersetzen sollte man die gängigen Richtlinien nicht. Grund ist die Tatsache, dass der Mindestlohn für Servicepersonal in Berufen mit Trinkgeld lächerlich niedrig ist. In einigen Staaten liegt der Betrag bei 2,13 USD. Mit anderen Worten: das Personal verdient sein Geld in vielen Lokalen nahezu ausschließlich mit Trinkgeldern.

white ceramic cup

Bild: Jaydem Sim/Unsplash

„Aber warum ist das unser Problem, wenn die amerikanischen Arbeitgeber ihre Angestellten nicht ordentlich bezahlen?“ Diese Frage höre ich oft bei Diskussionen ums Trinkgeld in den USA. Ganz einfach: weil es der Anstand gebietet, sich als Besucher an die Gepflogenheiten des Landes anzupassen. Indem sie ein Lokal betreten, gehen Restaurantbesucher in den USA ein ungeschriebenes Vertragsverhältnis mit dem Personal ein, das auf einer bestimmten Zahlungserwartung basiert.

Auswüchse des Kapitalismus

So weit, so gut. Allerdings leben wir im fortgeschrittenen Zeitalter des Kapitalismus. Und das macht die Sache nicht einfacher. Denn selbst mit den gängigen Regeln der Trinkgeldkultur wird inzwischen Missbrauch getrieben. So wird man mittlerweile in einigen Restaurants in den USA schief angeguckt, wenn man nicht wenigstens 20 Prozent Trinkgeld gibt.

Waiter taking order from couple in restaurant

Bild: Spot On/Unsplash

Das ist vor allem bei sogenannten Fine Dining der Fall, also in den schickeren Lokalen mit kulinarischem Anspruch. Einige meinen gar, dass ihnen 25 Prozent zusteht. Bei einer keineswegs utopischen Rechnung von 300 USD kommt man somit auf 75 USD Zusatzkosten für den simplen Umstand, dass man bedient wird. Meist sehr freundlich und so schnell wie möglich, das ja. Aber keineswegs immer mit angemessen hohem Kenntnisstand über Speisen und Getränke.

Trinkgeld für einen Coffee to go?

So kommt es, dass auch Amerikaner immer mehr mit dem Trinkgeld hadern. Tatsächlich dringt die Trinkgeldkultur immer tiefer in die Gesellschaft vor. Dabei spreche ich keineswegs von Kofferträgern im Hotel, die pro Gepäckstück mindestens einen Dollar erwarten. Oder von Barkeepern, die eine Runde Bier abrechnen – schließlich runde ich daheim auch immer auf.

Bizarr allerdings wird es, wenn man in irgendeinem Ketten-Café einen Coffee to go bestellt. Dort poppt auf den Kartenterminals seit einigen Jahren eine Maske auf, die zur Zahlung eines Trinkgeldes mit mehrere vorab festgelegten Betragsoptionen auffordert. Wir kennen das in zunehmendem Maße auch aus Europa. Doch dazu später mehr. In den USA handelt es sich meist um 15, 18 oder 22 Prozent. Für eine Dienstleistung wohlgemerkt, welche aus der Daseinsberechtigung eines Cafés besteht.

Unangenehme Situation am Kartenterminal

Wie geht man als Kunde damit um? Nun, hier sind die ungeschriebenen Regeln etwas komplizierter. Schließlich kommt es durch das Prozedere standardmäßig zu einer Konfrontation, die für alle Beteiligten unangenehm ist. Das Personal nämlich sieht, wenn ich einfach auf „weiter ohne Trinkgeld“ drücke. Ich derweil komme mir automatisch schlecht vor, wenn ich für eine Bezahlung ohne Aufschlag votiere. Obwohl ich lediglich ein Getränk bestelle. So bleibt bei jedem Kaffee ein fader Beigeschmack.

a person holding a cell phone next to a cup of coffee

Bild: Mockuuups/Unsplash

Weil mich das Thema beschäftigt, habe ich mit vielen Amerikaner über ihre Gepflogenheiten gesprochen. Viele verweigern die Zahlung eines Trinkgeldes immer dann, wenn sie bei großen Ketten zu Gast sind. In eigentümergeführten Lokalen hingegen geben sie rund 10 Prozent. Oder sie stecken einfach einen Dollar in ein Gefäß, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem Tresen steht. Hintergrund: man möchte die privat geführten Lokale und ihr in der Regel netteres Personal fördern.

Trinkgeld in den USA: Dollarnoten in der Tasche

Folglich habe ich mir auch angewöhnt, immer ein paar Dollarnoten in der Tasche für solche Fälle in der Tasche zu haben. Die benötigt man zwar im Alltag immer seltener, vor allem wenn man mit einer Kreditkarte ohne Auslandsgebühren zahlt. Doch für die Trinkgeld-Box ist Bargeld ideal. Auf diese Weise vermeide ich die unangenehme Situation, für einen Geizkragen gehalten zu werden, der das System boykottiert. Aber ich muss auch keine 22 Prozent Trinkgeld dafür geben, dass mir jemand meinen Sechs-Dollar-Kaffee zubereitet.

Kurzum: das Thema Trinkgeld ist komplex. Dabei haben wir Dienstleistungen außerhalb der Gastronomie noch kaum erwähnt. Wie zum Beispiel geht man mit denjenigen um, die im Tourismus ganz unten in der Hierarchie stehen? Die Rede ist vom Reinigungspersonal in Hotels. Sie leisten einen erheblichen Beitrag zum Wohlgefühl – aber zu sehen bekommt man sie als Gast nur selten.

Zu wenig fürs Zimmermädchen

Dies führt, wie ich aus Gesprächen herausgehört habe, dazu, dass die Cleaner die Trinkgeldinflation ausbaden müssen. Oder anders gesagt: weil in der Gastronomie immer höhere Gelder erwartet werden, bleibt auf den Kommoden der Hotelzimmer immer seltener etwas liegen.

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Bild: Andrew Neel/Unsplash

Auch das aber ist nicht die gesamte Wahrheit, denn der Kapitalismus ist erfindungsfreudig. Vor allem in besseren amerikanischen Hotels hinterlassen die Cleaner handgeschriebene Briefe mit einer diskreten Erinnerung an ein etwaiges Trinkgeld. Bei einigen ist ein QR-Code enthalten, der die Überweisung eines Betrages gestattet. Legitim, aber ich persönlich bevorzuge dann doch die Dollarnoten. Ein bis zwei pro Nacht. Dasselbe gilt für Kofferträger, Concierges oder das Personal beim Valet-Parking.

So kann ich unter dem Strich nur bestätigen, dass Trinkgeld ein erheblicher Faktor bei der Reisekasse für die USA ist. Einen lesenswerten Text zum Thema findest du auf der Seite des National Geographic

Wieviel Trinkgeld zahlt man in amerikanischen Restaurants?

Standardmäßig gilt die Faustregel: zwischen 15 und 25 Prozent. Wenn Amerikaner sehr zufrieden sind, zahlen sie den Höchstsatz. Bei normaler Zufriedenheit schlagen sie meist zwischen 18 und 20 Prozent auf. Wer überhaupt nicht zufrieden ist mit der Service-Qualität, gibt meist immer noch 10 Prozent Trinkgeld.

Warum erwartet Service-Personal in den USA so viel Trinkgeld?

Der Mindestlohn für Berufe mit Trinkgeld liegt in den USA bei extrem niedrigen 2,13 USD. Einkünfte resultieren ich bei diesen Dienstleistungen also fast vollständig aus Trinkgeldern. Damit das Personal auf einen anständigen Schnitt kommt, ist ein Trinkgeld von 18 bis 20 Prozent normal geworden.

Muss ich in den USA Trinkgeld für Coffee-to-go geben?

In vielen amerikanischen Cafés poppt bei Kartenzahlung mittlerweile standardmäßig eine Trinkgeldoption auf dem Display des Kreditkartenterminals auf. Oft wirst du um 1, 2 oder 3 Dollar beziehungsweise 15, 18 oder 22 Prozent „Tip“ gebeten. Ich ignoriere das bei Ketten wie Starbucks vollständig, da ich der Meinung bin, dass der Großkonzern sein Personal anständig bezahlen soll. Bei eigentümergeführten Cafés sieht die Lage etwas anders aus. Weil ich solche Cafés und ihr Personal unterstützen möchte, gebe ich in den USA immer einen Dollar Trinkgeld pro Kaffee.

Wieviel Trinkgeld erhalten Zimmermädchen in den USA?

Zimmermädchen und Cleaner sollte man in den USA mit ein oder zwei Dollar Trinkgeld pro Nacht entlohnen. Das sollte man nicht vergessen, auch wenn es keinen Kontaktmoment zwischen Hotelgästen und Cleanern gibt.

Wieviel Trinkgeld gibt man für Valet Parking in den USA?

Das Personal beim Valet Parking lebt oft vom Trinkgeld. Bei gehobenen Hotels und Restaurant gibt man standardmäßig ein oder zwei Dollar Trinkgeld. Bei Nobelunterkünften bedankt sich die Kundschaft häufig mit mehr.

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