
Georgias Atlantikinseln:Cumberland Island und die Golden Isles
In Georgia schützen ebenso wie in Florida vorgelagerte Barriereinseln die Küste. Die Eilande könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch für herrliche Tage am Meer bürgen sie alle – ebenso wie für gute Geschichten.

Die Virginia-Eiche vor dem Haupthaus lässt ihre Zweige hängen. Sie wirkt müde, so mancher Ast liegt auf dem Boden auf. Doch Gogo Ferguson gönnt dem Baum diese Nachlässigkeit. Schließlich hat er die Last von mehr als 300 Jahren zu tragen. Und jede Menge „Spanish Moss“, ein gräuliches Farn, das zwar weder aus Spanien kommt noch zu den Moospflanzen gehört. Aber es ist das allgegenwärtige Erkennungsmerkmal der Südstaatenvegetation. „Beautiful“, stellt sie lapidar fest.
Zu Gast im Greyfield Inn auf Cumberland Island
An diesem warmen Frühlingstag suchen die Gäste des Greyfield Inn unter der kapitalen Eiche Schutz vor der Sonne. Die weiß getünchte Villa mit der geräumigen Veranda ist das einzige Gasthaus auf Cumberland Island. Wie Ferguson erzählt, haben hier in den 1880ern die Carnegies gesessen.

Das Eiland war das Sommerdomizil der philanthropischen Industriellenfamilie. Wie sich die Golden Isles vor der Küste des US-Bundesstaats Georgia überhaupt großer Popularität beim Geldadel erfreuten.

Gogo Ferguson ist eine Ururenkelin von Lucy und Thomas Carnegie. Eine Frau Ende 70, die mit ihren Gästen ein Leben teilt, das nicht aus dieser Zeit scheint. Der Südstaatenprunkbau ist mit dem Mobiliar aus einer längst vergangenen Epoche ausgestattet: Freistehende Badewannen, Himmelbetten und plüschige Fauteuils.
Bibliothek anstelle von Fernsehen
Bei jedem Schritt knarzen die Holzdielen. Fernsehen und andere Geißeln der Gegenwart fehlen. Dafür stehen in der Bibliothek die Erstausgaben 100 Jahre alter Romane. Und den Speisesaal betreten die Gäste am Abend stets im feinen Zwirn.

Cumberland Island ist nur mit einer Personenfähre erreichbar, asphaltierte Straßen sind nicht vorhanden. Dafür streunen wilde Pferde auf der Insel umher. Die weißen Strände werden von stoisch dreinblickenden Austernfischern und lustig umhertapsenden Strandläufern bevölkert.
Cumberland: Landebahn für Propellermaschinen
Wenn einmal eine einmotorige Propellermaschine auf der 29 Kilometer langen Insel landen will, muss der Pilot mit einer Wiese vorlieb nehmen. Wie ein Abenteurer, der eine afrikanische Hochebene anfliegt.

Diese Rahmenbedingungen wusste und weiß die High Society zu schätzen: 1996 hat niemand geringeres als John F. Kennedy Junior seine Freundin Gogo gebeten, die Insel mitsamt ihrer klapprigen Kapelle für seine Hochzeit nutzen zu dürfen. Das schützte ihn vor den Paparazzi.
Maximal 300 Besucher zeitgleich
Erst durch die Nachberichterstattung ist das in Vergessenheit geratene Eiland wieder in den Blickpunkt gerückt. Doch die Intimität der Insel ist mittlerweile sogar gesetzlich verbrieft: niemals dürfen sich mehr als 300 Personen hier aufhalten.

Nicht ganz so exklusiv wie Cumberland Island ist die Nachbarinsel Jekyll Island. Über das Marschland hinweg führt eine Brücke in dieses Paralleluniversum. Die windgeschützte Seite dieser Insel diente im ausgehenden 19. Jahrhundert den Vorreitern des amerikanischen Kapitalismus als Spielwiese.
Die Prominenz zog es nach Jekyll Island
Im örtlichen „Club“ gaben sich John D. Rockefeller, J.P. Morgan, Joseph Pullitzer und William K. Vanderbilt die Klinke in die Hand. Die Nordlichter aus New York nutzten Jekyll Island als Bühne für einen kleinen Hahnenkampf: durch den Bau immer opulenterer Villen wollten sie sich gegenseitig zu übertrumpfen.

Die Überbleibsel dieser Eskapaden sind mittlerweile zu einem Hotel unfunktioniert worden – dem Jekyll Island Club. Ein herrschaftliches Anwesen mit einem Haupttrakt, der mit seiner viktorianischen Architektur und dem sandgelben Anstrich alle Urlaubsinstinkte aktiviert. Die Strände der Insel aber werden trotz der Anbindung ans Festland überwiegend von Ausflüglern aus Georgia bevölkert.

Die Touristenmassen folgen brav dem Lockruf des nahen Florida. Sogar die große Attraktion findet kaum Beachtung: Driftwood Beach, ein Strand im Nordosten. Hier trotzen die Überbleibsel von längst abgestorbenen Virginia-Eichen Tag für Tag den Fluten. Es sind stille Zeugen der schleichenden Wanderbewegung der Insel. Eine monumentale maritime Kulisse mit bizarrem Schattenspiel.

Informationen zu Georgias Inseln
Cumberland Island wird vom National Park Service betreut. Die Insel ist allerdings kein Nationalpark, sondern eine sogenannte National Seashore.
Cumberland Island ist ein kleines Naturparadies vor der Küste Georgias. In früheren Zeiten haben sich gerne Prominente hier blicken lassen. Unter anderem die Carnegies hatten eine große Villa hier, die nun schon lange unbewohnt ist.
Cumberland Island und das Greyfield Inn sind nur per Fähre ab Fernandina Beach in Florida erreichbar. Von dort sind es 210 km bis Savannah, der Okofenokee State Park sind es etwa 12 km.
Auf Cumberland existiert lediglich ein Hotel: das Greyfield Inn.
Das Hotel ist fast immer weit im Voraus ausgebucht, wer hier unterkommen möchte, sollte rechtzeitig anfragen. Es gilt immer ein Mindestaufenthalt von zwei, in den Ferien von drei Nächten. 4 North 2nd St., Cumberland Island, GA 32034, greyfieldinn.com, ab 1000 USD pro Nacht.
Alternativ existiert auf Cumberland Island nur ein Zeltplatz.
Auf Jekyll Island sieht die Lage entspannter aus. Hier gibt es unter anderem den Jekyll Island Club. Das weitläufige Anwesen mit mondänem Haupthaus hat auch kleinere Zimmer in Anbauten.
371 Riverview Dr., Jekyll Island, GA 31527, jekyllclub.com, ab 250 USD
Schau auf die Webseite der Golden Isles (goldenisles.com) oder des Bundestaats Georgia.

