
Salem: Hexenjagd in den USA
Wer heute unbedarft in das Städtchen Salem einfährt, könnte meinen eine ganz normale Vorstadt Bostons zu erreichen. Doch weit gefehlt: Das 35 Kilometer nordöstlich der Metropole gelegene Städtchen war Schauplatz eines der unrühmlichsten Ereignisse der amerikanischen Geschichte: hier wurden Ende des 17. Jh. an die 400 Personen der Hexerei bezichtigt. 19 Angeklagte haben bei der ersten Hexenjagd in den USA ihr Leben verloren.

Im Winter des Jahres 1691 verhalten sich zwei junge Mädchen in mehrerlei Hinsicht zunehmend auffällig. Sie reden ungewöhnlich, verstecken sich unter Gegenständen und beginnen zu schreien, sobald sie auf dem Boden liegen.
Gottes auserwähltes Volk
Die beiden heißen Elizabeth Parris und Abigail Williams und sind ihres Zeichens die Tochter und die Nichte des Predigers Samuel Parris. Dieser war kurz zuvor zum ersten geistlichen Oberhaupt der streng puritanischen Gemeinde ernannt worden. Engländer hatten sie mit der Zielvorgabe errichtet, als Gottes auserwähltes Volk das neue Jerusalem zu bauen.

Da die konsultierten Mediziner keine belastbare Ursache für die Ausfallerscheinungen der Mädchen entdecken, gerät bald der Universalfeind aller Gläubigen in Verdacht: der Teufel. Seine beiden Opfer bestätigen die These durch die Aussage, dass sie von unsichtbaren Händen gequält würden.
Was hat zur Hexenjagd in den USA geführt?
Auch habe der Satan probiert, sich ihnen persönlich zu nähern. Doch da die Mädchen wehrhaft gewesen seien, habe er in der Folge seine Stellvertreterinnen geschickt. In diesem Falle: eine Handvoll Frauen, die in Salem als Außenseiterinnen gelten. Es dauert nicht lange, ehe Parris und seine Gefolgsleute die Frauen der Hexerei bezichtigen.

Es ist der Anfang einer beispiellosen Hetzjagd, die Salem und den Rest von New England bis nach Boston in den kommenden sechs Monaten in Atem halten. Dabei werden keineswegs nur Frauen der Hexerei bezichtigt, sondern auch Männer und Kinder. Die Prozesse gehören bis heute zu den prägenden Ereignissen der US-Geschichte.
Hexenjagd in Salem: 19 Hinrichtungen
Insgesamt werden 19 Beschuldigte hingerichtet, darunter auch ein Geistlicher und ein Polizist, der sich geweigert hatte, der Hexerei bezichtigte Personen zu inhaftieren. 55 weitere werden mit Hilfe von Folter zu Falschaussagen gezwungen, 150 Verdächtigte werden inhaftiert und weitere 200 Menschen der Hexerei bezichtigt.

Am 22. September werden letztmalig acht Personen gehängt. Erst am 3. Oktober schiebt der höherrangige Bostoner Geistliche Increase Mather weiteren Anklagen und Verurteilungen einen Riegel. Sein Verdikt lautet, es sei besser, wenn zehn Hexen entkämen, als wenn eine unschuldige Person sterbe.
Die "alte Welt" als schlechtes Vorbild
Wie es zu den plötzlichen Hexenhysterie in Salem kommen konnte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht indes, dass die neue die alte Welt dort auf unrühmliche Weise imitiert hat. Bis in die Gegenwart wirkt die Hexenjagd nach.
Doch Amerika wäre nicht Amerika, würde man aus der Geschichte kein Kapital schlagen. So versucht das Hexenmuseum die Folgen des religiösen Wahns zu dokumentieren, doch es kommt über eine fragwürdige Multimediaeinspielung und einen Souvenir-Shop nicht hinaus. Besser ist der Witch Trial Memorial Park, ein besinnlicher Ort mit den Grabsteinen der Opfer, der die Ereignisse mit Hilfe von Gedenktafeln wieder aufleben lässt.
Das Haus mit den Sieben Siegeln
Neben all den Hexengeschichten hat aber Salem auch Erbaulicheres zu bieten. Am alten Hafen steht „Das Haus der Sieben Giebeln“ (1851), in dem der Schriftsteller Nathaniel Hawthorne das Licht der Welt erblickt hat und das ihm als Vorlage für einen der einflussreichsten Romane der US-Literatur gedient hat. Versteht sich von selbst, dass der Autor nicht an der Vergangenheit Salems vorbeikommt. So gewinnt die Geschichte eine literarische Facette.

Infos zu Salem und der Hexenjagd in den USA
Ja, in den USA gab es sehr wohl eine Hexenjagd. Diese hat sich im Jahr 1692 in dem kleinen Städtchen Salem im Bundesstaat Massachusetts abgespielt. Insgesamt wurden dabei 19 Frauen und Männer zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Von Boston sind aus sind es nur 35 Kilometer bis nach Salem, die Fahrt mit dem Auto dauert zwischen 30 und 45 Minuten. Dadurch wird Salem zu einem guten letzten Ziel vor dem Abflug ab Logan International. Von Portland (Maine) sind es etwa 160 Kilometer nach Salem.
Meiner Meinung nach lohnt sich der Besuch von Salem, Massachusetts, vor allem dann, wenn man sich persönlich ein Bild von den Örtlichkeiten machen möchte, an denen sich ein prägendes Ereignis der US-Geschichte abgespielt hat. Die Attraktionen wie das Witch Museum hingegen finde ich eher mau.
Salem Witch Museum: 19 1/2 N Washington Square, Salem, MA 01970, salemwitchmuseum.com, tgl. 10–17, Juli und Aug. 10–19 Uhr, Eintritt 19 USD
Witch Trail Memorial Park: 24 Liberty St., Salem, MA 01970, tgl. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, Eintritt frei
House of the Seven Gables: 115 Derby St., Salem, MA 01970, Tel. +1 978 744 09 91, 7gables.org, wechselnde Öffnungszeiten, Eintritt 26 USD
Mir persönlich hat das Hawthorne Hotel gut gefallen, auch wegen der inhaltlichen Nähe zum Schriftsteller Nathaniel Hawthoren. Der Historische Backsteinbau überzeugt außerdem mit guter Lage und mit modernen Zimmern.
Adresse: 18 Washington Square West, Salem, MA 01970, hawthornehotel.com, ab 120 USD
Weitere Informationen unter salem.org
