Fernglas auf einem Parkplatz mit Blick in die Wolken

Zuletzt bearbeitet am 10/08/2026

Mit dem Auto auf den Pikes Peak 

Mit dem Auto auf den Pikes Peak zu fahren ist ein Kinderspiel. Gleichzeitig aber handelt es sich auch um ein kleines Abenteuer, das man bei einem Roadtrip durch Colorado nicht auslassen sollte.

Manche Dinge sind in Europa schlichtweg unmöglich. Dazu gehört der schnelle Aufstieg auf einen mehr als 4000 Meter hohen Berg. Eine Bergbahn in der Schweiz bringt ihre Passagiere am Klein Matterhorn bei Zermatt auf immerhin 3883 Meter. Als Chauffeur eines Autos kommt man über die 2802 Meter des Col de la Bonnette in den französischen Alpen nicht hinaus. In Colorado hingegen ist diese Erfahrung relativ normal.

Cabrio bei der Abfahrt vom höchsten befahrbaren Gipfel Colorados

Grund genug also, mich auf meinen Trip in die USA, wo ich für den ADAC recherchieren sollte. Auf der Liste ganz oben stand der Pikes Peak, ein 4301 Meter hoher Gipfel. Der Berg ist Teil der Front Range der Rocky Mountains und erhebt sich in unmittelbarer Nähe zu Colorado Springs.

Auf den Spuren von Walter Röhrl

Schon in meiner Jugend wusste ich, dass eine gut befahrbare Straße bis zur Spitze des Berges führt. Und mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu konnte ich auf dem Röhrenfernseher die Austragung eines Rennens verfolgen, das Jahr für Jahr auf den Flanken des Berges ausgetragen wurde. Zu den Teilnehmern gehörten Typen mit schnittigen Namen wie Walter Röhrl, der die 19,7 Kilometer im Cockpit eines flammenspuckenden Ungetüms in weniger als elf Minuten zurücklegte.

Parkender Pkw beim Aufstieg zum über 14000 Fuß hohen Pikes Peak

Das Rennen wird unter dem Namen »Pikes Peak International Hill Climb« bis heute ausgetragen. Die Rennstrecke allerdings beginnt erst auf einer von 2862 Metern. Mittlerweile ist die Bestmarke für die Absolvierung der 1439 Höhenmeter mit 156 Kurven auf 7 Minuten und 57 Sekunden gesunken.

Interessante Fußnote: der Rekord wurde mit einem Elektroauto aufgestellt, das herkömmlichen Verbrennungsmotoren auf kurzen Distanzen wegen seiner besseren Beschleunigung überlegen ist.

Start im legendären Hotel The Broodmoor

Meine Fahrt ist natürlich deutlich länger als die Rennstrecke. Ich starte auf 1900 Höhenmetern nach einer Nacht im legendären The Broadmoor. Das ehrwürdige Luxushotel wurde 1918 eröffnet und stammt somit noch aus der Gründerzeit des Tourismus.

Ansicht des Hotel The Broadmoor mit See und Bergen

Schon damals kursierte in den patriotischen USA ein Lied mit dem Titel »America the Beautiful«, für dessen Text die Englischprofessorin Katherine Lee Bates verantwortlich zeichnet. Seine schwelgerischen Zeilen beziehen sich auf den Pikes Peak. Heute trägt auch der Jahrespass des US National Park Service diesen Namen, der zum Eintritt in alle Nationalparks der USA berechtigt.

Rund die Hälfte der Strecke ist Teil einer Durchgangsstraße. Erst hinter dem Bergdorf Manitou Springs zweigt die eigentliche Gipfelstraße nach links ab. Hier auch befindet sich die Talstation eines Verkehrsmittels, das deutlich charmanter als ein Automobil ist.

Die knallrote Cog Railway beim Aufstieg auf den Pikes Peak in Colorado mit Wolken im Hintergrund

Die Pikes Peak Cog Railway ist eine herrlich altmodische Zahnradbahn, die jedoch 2018 ihren Betrieb wegen anhaltender technischer Schwierigkeiten bis auf weiteres einstellen musste. Weil ihre Modernisierung bei meiner Anwesenheit noch nicht abgeschlossen war, konnte ich leider nicht an Bord gehen.

Mit dem Auto auf den Pikes Peak: jenseits der Baumgrenze

Stattdessen fahre ich gemächlich und bei überschaubarem Verkehr bergauf. Zunächst bleibt der Nadelwald das dominierende Element. Noch auf 3200 Metern wachsen Douglasien, Espen und Tannen.

Der Autor Ralf Johnen auf dem windigen Gipfel des Pikes Peak in Colorado

Immer wieder lege ich Pausen ein. Die Fernsicht! Der dramatische Verlauf der Straße! Und nicht zuletzt die Steinwüste in Richtung Gipfel! Dies alles sind Impressionen, die ich nicht vergessen werde.

Wacklige Knie auf America's Mountain

Die dünne Höhenluft wirkt sich zunächst wenig auf meinen Körper aus. Erst als ich am Gipfel aussteige merke ich, wie wacklig meine Knie sind. Auch eine leichte Übelkeit kann ich nicht von der Hand weisen. Obwohl ich mich rasch an die Umstände gewöhne, bekomme ich anschaulich vor Augen geführt warum Bergsteiger sich Zeit lassen müssen, wenn sie noch höher hinaus wollen.

Schild warnt vor einem Bigfoot am Fuße des Pikes Peak in Colorado

Nach gut einer Stunde muss ich den Rückweg antreten. Abermals mit Fotostopps, schließlich weichen die Perspektiven bei der Talfahrt deutlich ab. Als ich in Manitou Springs eintreffe, gönne ich mir erst mal einen Flat White. Ein passender Kontrast nach diesem Kurzausflug in die unwirtliche Bergwelt.

Das Westernstädtchen Manitou Springs ist der Ausgangspunkt zu einem Trip auf den Gipfel des Pikes Peak

Die Erfahrung möchte ich nicht missen. Kein Europäer, der einen Roadtrip durch Colorado unternimmt, sollte sie sich entgehen lassen. Auch wenn die Berge daheim höher sind: zwar zählt allein Colorado 58 sogenannte »Fourteeners«, also Gipfel mit einer Höhe von über 14 000 Fuß (4267 Meter). Doch der höchste von ihnen ist – ebenfalls in Colorado – der Mount Elbert mit 4401 Metern. Deutlich weniger als der Mont Blanc mit seiner Gipfelhöhe von 4810 Metern.

Infos zur Fahrt auf den Pikes Peak

Wo liegt der Pikes Peak?

Von der Innenstadt von Colorado Springs sind es bis zur Mautstation des Pikes Peak Highway 18 Kilometer, von Denver beträgt die Distanz 130 Kilometer.

Ist die Straße zum Pikes Peak schwierig zu fahren? 

Die Straße ist für geübte Autofahrer relativ leicht befahrbar. Die Betreiber sind darum bemüht sie auch im Winter offen zu halten, was natürlich in diesen Höhen nicht immer gelingt. Das Wetter kann sich in Gipfelnähe ständig ändern und es kann jederzeit zu Wintereinbrüchen kommen. Infos dazu hier.

Gibt es ein Autorennen auf den Pikes Peak in Colorado?

Der Pikes Peak International Hill Climb wurde erstmalig 1916 ausgetragen. Das Rennen findet Ende Juni statt. Organisator ist das Hotel The Broadmoor.

Die Zahnradbahn auf den Pikes Peak verkehrt nach langer Restaurierung wieder. Tickets sind ab 67 USD erhältlich. Auf dem Gipfel des Pikes Peak gibt es ein Restaurant und ein Café. Eine Tankstelle aber werden Besucher vergeblich suchen.


Wieviel kostet die Fahrt auf den Pikes Peak in Colorado?

An der Mautstation wird ein Eintrittsgeld erhoben: Erwachsene 18 USD, maximal 65 USD für ein Auto mit maximal fünf Insassen.

Tickets kannst du online vorbestellen, von Ende Mai bis Ende September sind Reservierungen neuerdings sogar verpflichtend.

Wieviel Zeit muss ich für den Besuch von Pikes Peak einplanen? 

Wenn du mit dem Auto den Berg hinauffährst, solltest du für Auf- und Abstieg rund drei Stunden einplanen. 

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