
Seligman: Wo die Route 66 gerettet wurde
Seligman war dazu vorbestimmt, ein Dasein als unbedeutendes Kaff zu führen und eines Tages vielleicht sogar als Geisterdorf zu enden. Doch ein bodenständiger Friseur hatte andere Pläne. Seitdem treffen in der Wüste Arizonas Harley-Fahrer auch auf asiatische Touristen. Ein Besuch in dem Dorf, wo die Route 66 gerettet wurde.

Um die Route 66 ranken sich viele Geschichten. Doch nur Insider wissen, wie die verbliebenen Abschnitte der Mother Road überhaupt überleben konnten. Dazu werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1984, als bei Williams der finale Abschnitt des Interstate 40 komplettiert worden ist. Seinerzeit hat sich die Historic Route 66 Society of Arizona unter Federführung des Friseurs Angel Delgadillo (*1926) darum bemüht, die verbleibenden Abschnitte der Straße unter Schutz zu stellen.
Seligman: 100 Meilen langer Originalabschnitt
Schließlich war die Mother Road mehr als eine Fußnote in der Historie der individuellen Mobilität und der amerikanischen Geschichte ganz allgemein. Zudem existierte hinter Ash Fork noch ein gut 100 Meilen langer Originalabschnitt, der nahe an den Grand Canyon heranführte. Dabei durchquerte er das Reservat der Hualapai und auch sonst bot die Straße Anschluss zu einigen Ortschaften, in denen Menschen lebten, die Geld verdienen mussten. Ob die 66 nun noch bis nach Los Angeles führte oder nicht.

Delgadillos Ansinnen wurde stattgegeben, der Auftakt zur Wiederbelebung der Straße war gemacht – und Seligman (sprich: Sligmän) wurde zu einer Art Pilgerstätte für sogenannte Petrolheads. Unter diesem Begriff versteht man Liebhaber von Fahrzeugen, die von fossilen Kraftstoffen angetrieben werden.
Besuch in Angel Delgadillos Barber Shop
Außerdem wollte sich jeder, der die Geschichte kannte, in Angel’s Barber Shop die Haare schneiden lassen oder wenigstens ein paar Souvenirs mit nach Hause nehmen. Der Friseur reagierte auf höchst amerikanische Weise auf das Publikumsinteresse: er eröffnete einen Gift Shop sowie ein Restaurant (Delgadillo’s Snow Cap).

Zwischen den beiden Bauten stellte er allerlei Straßenkreuzer und andere »Americana« ab. Und schon war die sympathische Mischung aus Museum und Erlebniswelt fertig. Im Salon jedoch stand Delgadillo fortan nur noch, wenn ihm danach war.
Renaissance der Route 66 in Seligman
Damit war die Renaissance von Seligman jedoch noch nicht beendet, denn im Kielwasser des Barbor Shop prosperierten weitere nostalgisch anmutende »businesses«, wie die Amerikaner zu sagen lieben.

Cafés, Souvenirgeschäfte, Motels, Diner, eine Werkstatt und der Gemischtwarenladen Sundries, den ein deutsches Paar betreibt. Nicht schlecht für eine Siedlung mit zuletzt 477 Einwohnern.
Touristen aus Asien
Bizarre Fußnote der Geschichte: Neben schwer motorisierten Männern mit wehendem Haar finden neuerdings auch allerlei Touristen aus Japan, Korea und China den Weg nach Seligman. Sie buchen einen Tagesausflug aus Las Vegas zum Grand Canyon West, der sie auf dem Rückweg für ein paar Kilometer auf die Straße der Straßen führt. Mit prall gefüllten Einkaufstüten voller T-Shirts und Kappen ziehen sie bald darauf wieder von dannen.

So kann es gehen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Angel Delgadillo hat sein Engagement zudem nicht nur ein interessantes, sondern auch ein langes Leben beschert. Bei Redaktionsschluss war er 97.
Infos zur Route 66 in Seligman
Auf der Homepage von Visit Arizona findest du weitere Informationen zu Seligman.
Der Friseur Angel Degadillo gilt als Retter der Route 66. Der gelernte Friseur (Jahrgang 1926) hat in den 1980er Jahren die Initiative ergriffen, zunächst die in Arizona noch verbliebenen Abschnitte der Mother Road unter Schutz stellen zu lassen. Seinem Ansinnen wurde stattgegeben.
Das kleine Dorf Seligman in Arizona ist als Hochburg der Route 66 bekannt. Hier lebt der Friseur Angel Degadillo, der sich 1987 für die Rettung der Mother Road stark gemacht hat.
Nachdem er dies bewerkstelligt hat, ist in Seligman zu einer Art Freilichtmuseum für die Route 66 geworden.
Seligman ist für Besucher nur mit dem Auto erreichbar. Von Phoenix, Arizona, und Las Vegas, Nevada, sind es jeweils rund 300 Kilometer bis nach Seligman. Bis nach Flagstaff, das sich ebenfalls an der Originaltrasse der Route 66 befindet, sind es rund 130 Kilometer.
The Aztec Motel: Verspieltes Motel mit vielen Retro-Elementen, das mir persönlich gut gefallen hat. 22200 Arizona Route 66, Tel. 928 455 10 15, theaztecmotel.com, Zimmer ab 99 USD.
Schau auf die Webseite der Historic Route 66 Association of Arizona.

